107. Zaubersalon 15.10.19

Schon zum dritten Mal begeistert Jan Forster die Gäste des Wuppertaler Zaubersalons. Vor vollem Haus, immer wieder werden weitere Stuhlreihen heran gekarrt, wird er von Reiner Walter, dem Vorsitzenden des Magischen Zirkels Wuppertal, angekündigt.
Jan hat viele Freunde hier. Er kommt gern. War doch Henry Wahl, der Gründer des Zaubersalons Wuppertal, einer seiner langjährigen Bewunderer.

Spärlicher Bühnenaufbau. Links ein Barhocker mit Büchern, rechts eine Standuhr, deren Zifferblatt durch das Konterfei des Künstlers verdeckt ist, in der Mitte ein kleiner Tisch.

Der Zaubersalon-Jingle ertönt heute nicht, Jan Forster kommt flott rein, und wie gewohnt hält er das Tempo bis zur Pause durch.
Gelegentlich nutzt er Musik, was die Spannung erhöht, wenn ein Zuschauer eine Entscheidung trifft, oder der Mentalist in unseren Köpfen spazieren geht. Lustig und unterhaltsam ist das Programm “Mit allen Sinnen“, und wie immer bleibt einigen Zuschauern das Lachen im Halse stecken, wenn Jan, seine Effekte kontinuierlich steigernd, mit fortschreitendem Programm, immer Unglaublicheres zustande bringt.

Es geht ums Lügen. Wer kann es besser? Männer, oder Frauen? Das alte Spielchen mit der Münze. Niemals verliert es den Reiz, in seiner Einfachheit.
„In welcher Hand ist sie versteckt?“ Jan weiß es nicht nur, weil er die Körpersprache zu deuten versteht, auf einer seiner Autogramm-Postkarten hat er den Ausgang des Experimentes auch vorhergesagt. 
Ebenso das unmittelbar folgende „Kopf oder Zahl?“, mit Ingo aus der ersten Reihe gespielt, gibt den
Leuten das Gefühl: „Das kenne ich.“
Dann ist Gedanken lesen angesagt. Ein Wort wird aufgeschrieben. Der „Notar“ aus dem Publikum vermittelt den Eindruck, dass alles mit rechten Dingen zugeht.
Thomas, aus einer der hinteren Reihen, bekommt eine Glocke und den Auftrag, irgendwann in der ersten Hälfte der Show zu läuten.
Jetzt wird ein Pärchen auf die Bühne gebeten. Können sie die Gedanken des anderen lesen? Frauen sind natürlich sensitiver, das wussten wir ja schon, aber dass sie auch beim Würfeln besser sind, erfahren wir heute Abend. Trotzdem bleibt die unausgesprochene Frage: „Woher, zum Teufel, weiß dieser Jan Forster, welche Zahl die beiden, in einiger Entfernung, verdeckt von einem Becher, geworfen haben?“


Imaginärer Einkauf mit Susanne. Eine Münze rollt aus dem Einkaufswagen, ein soeben gekaufter Gegenstand. Der Künstler errät beides durch  Muskellesen. Ein Vorname wird in Gedanken auf eine Tafel geschrieben. Auch das ist kein Problem für Forster.
Thema Astrologie: Glaubt man dran, oder lieber nicht? Das Ehepaar aus der zweiten Reihe ist sich da einig: „Alles Humbug!“ Als sie dann aber gemeinsam ein Horoskop vorlesen, wird es unheimlich. Die Lieblingsfarbe des „Stieres“ ist laut Frauenzeitschrift Orange und die Glückszahl des Fisches die 20. Zwar hat der Fisch keine Zahl, sondern eine Spielkarte gewählt, aber die liegt an 20. Stelle in einem Kartenspiel. Und Orange ist tatsächlich die Farbe, die die „Stierin“ vorher gewählt hat.

Stadt, Land, Fluss auf Autogramm-Postkarten. Eine der schönsten Ideen, für sich und sein Programm zu werben. Auch die Auswahl der Zuschauer ist Kalkulation. Es werden die Stimmungskanonen auf die Bühne gebeten, da ist das Lachen vorprogrammiert.
Thomas läutet exakt um 20.45 Uhr und erhält seinen zuvor eingeübten Applaus. Die Standuhr wird enthüllt, und es zeigt sich, dass der Mentalist sie vor der Show auf eben diese Uhrzeit eingestellt und die Batterie herausgenommen hat. Kaum wird sie eingesetzt, läuft der Zeitmesser wieder und erinnert an die wohl verdiente Pause.

 

Zu Anfang des zweiten Teils sehen wir Omas „Grabbelkiste“ mit drei Personen. Emotionen werden dabei geweckt, die genau so echt sind, wie die Geschichten. Der Entertainer erzählt von sich, von seiner Kindheit, und das spürt man. Der kleine Jan, aus der zweiten Reihe, ist einer der Probanden, die einen Gegenstand aus der Kramkiste wählen. Durch gezielte Fragen lernt Forster ihn kennen, um dann zu verkünden: „So einer kann nur einen gelben Lego-Stein wählen.“

Personen und Haustier-Namen, die aufgeschrieben werden, stellen für den Magier der Gedanken eben sowenig ein Hindernis dar, wie Spielkarten. Drei Personen werden auf die Bühne gebeten, von denen jeder eine Karte wählt. Wenn man nicht wüsste, dass Frank, von einer der hintersten Reihen, minutenlang das Spiel gemischt hat, könnte man denken, der Magier kenne es auswendig. „Dr.“ Konrad hat alles unter Kontrolle. 

Ich persönlich habe Jan Forster heute zum vierten Mal erlebt und kenne ihn nur als Mental-Magier. Ich weiß aber, dass der Mann, der sonst auf Kreuzfahrtschiffen durch die ganze Welt tourt, in seiner Jugend ein preisgekrönter Manipulator und Illusionist war. 
Morgen Abend wird er hier ein Seminar halten, auf das sich viele Zauberfreunde schon seit Monaten freuen. 

Zugabe ist die Zahl pi. Es kommt ein Buch zur Anwendung, das die ersten 10 000 Ziffern nach dem Komma enthält. Wie nicht anders zu erwarten, beweist uns Jan Forster, dass er es komplett verinnerlicht hat.
Bericht: Atilla Peken

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