Zaubersalon Wuppertal 2013 04 007Dieses Mal wurden die Gäste des Zaubersalons in eine längst vergangene Zeit entführt.

Doctor Max Marrax war aus Stuttgart angereist und gab sich die Ehre. In Frack und Zylinder, mit schwerer Uhrkette behangen, ließ er die Dynastie der Gaukler und Scharlatane, der Wundermänner und Bärentreiber wieder aufleben, die vom Mittelalter bis in die Neuzeit durch Städte und Dörfer zogen.

In zwei Abteilungen von je 45 Minuten zeigte er in der Bandfabrik seine magisch-medizinischen Experimente um das eigens kreierte Wundermittel „Marrax-o-fax“.

Begleitet von tiefgründigen Wortverdrehungen und grammatikalischen Virtuositäten kauderwelschte er in einem Mischmasch aus unzähligen Dialekten und schlug wortgewaltig Jung und Alt in seinen Bann. „Birger“ nennt er sie.

Er betrat die Bühne mit einem Kerzenleuchter und ließ ein Glöckchen hören; dann begann sein abendfüllendes Soloprogramm mit der Demonstration einer Kuriositätensammlung aus Sauschädeln, riesigen Ohrwürmern, die bei einem Hörsturz das Licht der Welt erblickt hatten und unsichtbaren nachtaktiven Kalorientierchen.

Zaubersalon Wuppertal 2013 04 043Alles „mitgebrungen“, nicht mitgebracht, genau wie die Wäscheleine, mit der er ein Feuerwerk magischer Effekte zündete.

Einen Faden, der von Zuschauern zerpflückt worden war, reparierte er mithilfe seines „Universalspecificums Marrax-o-fax“, sowie mit Magie und Spucke.

Er philosophierte äußerst geistreich über das „Nix“ und die physikalischen Eigenschaften von Löchern, bevor er demonstrativ eines davon wandern ließ und zwar von einem Papierblatt zum anderen, über eine Distanz von mehreren Metern.

Als er dann über die Entdeckung der „Wollmilch-Würmer“ berichtete und einen davon, den er seinem Panoptikum entnommen hatte, fachmännisch molk, fragte sich das Publikum, ob es hier einen Scharlatan vor sich hatte, der ihnen einen Bären aufband. Marrax erhielt ein kleines Gläschen voll „Wollmilch“, gerade ausreichend für einen Säugling. Die geringe Menge Milch wurde nun so oft vermehrt, bis er einen riesigen Krug davon hatte, genug für einen gestandenen Mann, wie ihn.

Doctor Marrax begeistert Laien wie Fachleute gleichermaßen, denn seine Effekte sind klar und nachvollziehbar, seine Technik dennoch perfekt.

Zaubersalon Wuppertal 2013 04 070Dies wurde auch deutlich bei dem nun folgenden Kartenkunststück, einem Klassiker der Magie, bei dem mehrere Karten von einem Zuschauer zum anderen wanderten, obwohl diese selbst immer wieder nachzählen durften.

Nach guter alter Taschenspielermanier kloppte er sich lange Eisennägel in die Nase, zog anschließend Schnüre hindurch, bevor er mit einer verrückten „Bommelmaschine“ das hoch verehrte Publikum schier zum Verzweifeln brachte.

Vor der Erholungspause kam noch einmal „Marrax-o-fax“ zum Einsatz. Es half dem quacksalbernden Marrax dabei, einem Herrn aus dem Publikum eine gedachte Stadt auf sehr witzige Weise aufzuzwingen.

Nachdem man sich gestärkt und wieder Platz genommen hatte, eine Dampfwolke des Wundermittels bis zur Saaldecke empor gewabert war, berichtete der Doctor über seine Studienzeit in Heidelberg. In einem uralten Kellerlabor hatte er damals auf faustische Weise sein Allheilmittel erschaffen. Bei einem anschließenden Erholungsspaziergang über den Philosophenweg begegnete er dann sich selbst als gestandenem Mann, um ein verwirrendes Kartenspiel mit seinem zweiten Ich zu spielen, das er, „Marrax-o-fas“ sei Dank, natürlich gewann.

Zaubersalon Wuppertal 2013 04 123Der nun folgende Trick ließ auch die anwesenden Zauberkollegen Bauklötze staunen. Obwohl mehrmals auf den Kopf gestellt, ordnete sich eine Würfelpyramide unter einer Abdeckung immer wieder auf mysteriöse Weise und wurde zu guter letzt sogar bunt.

Doctor Marrax legt Wert darauf, alle vier Grundelemente in seine Experimente mit einzubeziehen. Wasser haftete wie paralysiert in einem umgedrehten Glas und gehorchte den Gesetzen der Schwerkraft erst wieder, als der Zauberer es wollte.

Ein gelbes Seidentuch, das er weggezaubert hatte, erschien eingeknotet zwischen zwei roten Tüchern, ein Geldschein wanderte aus den Händen eines Zuschauers in die kleinste von mehreren ineinander steckenden Kisten, bevor der Meister sich bemüßigt fühlte, den Zuschauern ausnahmsweise einmal einen Zaubertrick zum Nachmachen zu erklären. Er durfte das. Dies hatte er zuvor mit seiner Zunft abgesprochen.

Die Anwesenden lernten, wie man ein Seidentüchlein in ein Hühnerei verwandelt. Der Eine, oder die Andere fühlte sich vielleicht in seine Zauberkastenzeit zurück versetzt. Das Ei ist hohl und das Tüchlein wird einfach hinein gestopft. So weit, so gut. Wer aber Marrax heißt, der knibbelt einfach das Loch von dem Ei ab, klebt es an seine Weste und schlägt das nun echte Ei in einem bereit gestellten Glas auf. Überraschung! Lachen! Staunen!

Marrax mit seinem Allheil-und Wundermittel hat den Zuschauern des Zaubersalons, die trotz Halbfinalspiels sehr zahlreich erschienen waren, einen unvergesslichen Abend beschert.

Zaubersalon Wuppertal 2013 04 187Während des lang anhaltenden Schlussapplauses wurde klar: Der Wundermann muss eine Zugabe geben.

Julia aus Remscheid klagte über einen steifen Hals. Mit einem schauerlichen Krachen renkte der selbsternannte Doctor ihn wieder ein. Nichts für sensible Gemüter?

Kein Grund zur Sorge. Ein Plastikbecher unter dem Arm macht es möglich.

Damit er nun endlich Feierabend hatte und die Zuschauer nicht noch mehr verlangten, wurde es jetzt gruselig. Mit einer „mitgebrungenen“ Gabel stach er sich ein Auge aus, das Augenwasser spritzte über die Bühne, und mit einem ebenfalls „mitgebrungenen“ Löffel praktizierte er sich das Auge aus dem Kopf, um seinen „Birgern“ noch einmal listig zuzuzwinkern.

Doctor Marrax ist einer der Letzten seiner Art, ein Unikat, das die zauberbegeisterten Besucher der Bandfabrik nie mehr vergessen werden. Sicher war er nicht zum letzten Mal Gast in Wuppertal.

Zur Fotogalerie