Zaubersalon Wuppertal 2013 05 004Turbulent ging es zu, beim 31. Wuppertaler Zaubersalon. Kein Wunder, wenn acht Akteure innerhalb kürzester Zeit eine abendfüllende Show auf die Beine stellen müssen. Marc Hoff, Künstlername Rufus Grey, hatte die schwierige Aufgabe, die zehnminütigen Nummern aus den verschiedensten Sparten der Magie zu einem harmonischen Ganzen zu vereinen. Und das schaffte der erfahrene Moderator perfekt.

Zaubersalon Wuppertal 2013 05 019Der erste Künstler, den er an diesem Abend vor vollbesetztem Haus ansagte, war Marcelo (Lang), seines Zeichens Diplom-Clown-Schauspieler. Und wie das bei Clowns eben so ist, es lief nicht alles so glatt… So brauchte es einige Anläufe, bis das Tüchlein vom kurzen auf das lange Seil gewandert war und auch wieder zurück. Auch der entliehene Ehering eines Zuschauers wollte nicht auf Anhieb wieder erscheinen. Als er dann aber schließlich doch im Schlüsseletui des Spaßmachers auftauchte, freute sich der ganze Saal und am meisten Marcelo. Er nutzt Zauberkunststücke, um seine Clownerien zu präsentieren, und für jede Zaubershow stellt es eine Bereicherung dar, wenn Nummern aus den Randgebieten der Magie zur Vorführung gelangen. Anhand des zerrissenen und mit Hilfe des Feuers wieder hergestellten Fadens, wies der Moderator nun auf die verschiedenen Sparten der Magie, sowie auf die bevorstehenden Vorentscheidungen zur Deutschen Meisterschaft hin. Denn alle nun folgenden Zauberer hatten eines gemeinsam, sie probten für den Ernstfall. Entweder in Lübeck, oder in Dreieich werden sie sich in Kürze einer Fachjury stellen.

Zaubersalon Wuppertal 2013 05 033Kein Neuling auf diesem Gebiet ist Jean Olivier (Oliver Dezes), der sich für die Sparte „Allgemeine Magie“ angemeldet hat. Vor einem sehr ansprechenden Hintergrund, bestehend aus sechs großen bunten Ballons, ließ er zunächst ein Laptop erscheinen, mit dessen Hilfe er dann seine Assistentin Michelle fernsteuerte. Diese bestand aus einem offensichtlich farbenblinden Quadrocopter, der nun viel Wind um zwei Vorhersagen machte. Dabei kam es zu witzigen Farbverwechslungen und einigen ungeplanten Salti der fliegenden Assistentin. Für Kreativität wird Jean Olivier, der übrigens schon einmal an Deutschen Meisterschaften teilgenommen hat, sicher die volle Punktzahl erhalten. Das Publikum der Bandfabrik jedenfalls war begeistert.

Zaubersalon Wuppertal 2013 05 045Zum absoluten Sympathieträger an diesem Abend wurde Tobi, ein wirklicher Newcomer der Magie, der in der Sparte „Close up“ antreten wird. Auch er braucht sich um die Bewertung seiner Kreativität keine Sorgen zu machen, denn was er an diesem Abend zeigte, ließ den geborenen Tüftler erkennen. Mittels zweier „Portale“ verließen Münzen und Getränkedosen für Augenblicke unsere Galaxie, um bald darauf wieder aus den Weiten des Universums aufzutauchen. Aufgrund seiner Bühnenpräsenz und seiner natürlichen Ausstrahlung war es den Zuschauern völlig egal, dass die eine oder andere technische Panne entstand. Tobis Enthusiasmus war ansteckend, und als schließlich das Getränk ohne die Dose aus einem der Portale zurückkam und den jungen Zauberer einsaute, tobte der Saal. Hier zeigte sich ganz klar, dass der eigentliche Zauber nicht zuletzt der Phantasie des Zuschauers entspringt.

Zaubersalon Wuppertal 2013 05 067Nach einer kurzen Pause betrat Bene Reinisch die Bühne. Rufus Grey hatte zuvor darauf hingewiesen, dass „Manipulation“ die Königsdisziplin innerhalb der Zauberkunst darstellt, weil hier die Magie ausschließlich durch die Geschicklichkeit der Hände zustande kommt. Und in dieser Sparte wird Reinisch sich beim Vorentscheid der Jury präsentieren. Auf der Bühne befand sich lediglich eine Säule, an der er die hervorgezauberten Objekte anbrachte. Dies waren vor allem Embleme aus der Autoindustrie, wie Mercedes-Sterne, Porsche-Abzeichen und Audi-Ringe. Ganz auf ablenkende Worte verzichtend, zauberte er zu flotter Musik, wobei die Dinge aus dem Nichts zu kommen schienen. Auch bei dem jungen Manipulator kam es zu kleineren Patzern, mit der Technik schien es Probleme zu geben, doch die Zuschauer honorierten die außerordentliche Geschicklichkeit, mit der Bene Reinisch glänzte, mit heftigem Applaus.

Zaubersalon Wuppertal 2013 05 074In einer völlig anderen magischen Disziplin wird Timon Krause sein Talent unter Beweis stellen, nämlich in der „Mentalmagie“. Hier verschwinden keine Gegenstände, es schwebt auch nichts und niemand wird zersägt. Es geht um die Magie der Gedanken. „Träume sind wie Seifenblasen“, so lautet das Motto des charmanten Mentalisten. An diesem Abend bat er einen jungen Mann auf die Bühne, an dem er zunächst einige Experimente zum Warmwerden durchführte. Als der sich nämlich auf seinen eigenen positiven Gedanken konzentrierte, gelangen ihm Kraft- und Dehnungstests besser, als ohne diese mentale Hilfe. Auf solche Weise sensibilisiert, konzentrierte er sich nun auf ein positives Ereignis seiner Vergangenheit, sowie auf eine bestimmte Person. Zur großen Verblüffung der Zuschauer erriet Timon Krause die erinnerte Begebenheit bis ins kleinste Detail.

Marc Hoff, eine Augenweide in seinem glitzernden Jackett, zauberte nun mit Seidentüchern, während er den nächsten Künstler ansagte. Christian Bach, ein Zauberer, der bereits über etliches an Erfahrung verfügt, zeigte eine pantomimische Comedy-Nummer zu flotter Musik, in der er die selbstherrlichen Entertainer der amerikanischen Nachtclubszene auf die Schippe nahm.

Zaubersalon Wuppertal 2013 05 115Auf äußerst witzige Weise parodierte er einen überheblichen, Kaugummi kauenden Zauberer, der mit Spielkarten zu manipulieren versucht und mit einer Nagelpistole um sich schießt. Ganz bemerkenswert sein Haupttrick, bei dem er einen Herrn auf die Bühne bat und dessen frei gewählte und angebissene Karte wieder fand, indem er sie mit Hilfe der Nagelpistole an ein Holzbrett schoss. Bei dieser Nummer gab es keine Patzer, hier wurde die Professionalität spürbar, mit der Christian Bach seine Darbietung geplant hatte. Das roch nach einer Platzierung beim Wettbewerb.

Zaubersalon Wuppertal 2013 05 125Marc Weide, der beim Zaubersalon zu Hause ist, will bei den Vorentscheidungen in der Sparte „Close up“ punkten. In seinen einleitenden Worten brachte er sein Bedauern darüber zum Ausdruck, dass das Konsumieren von Unterhaltungskunst immer mehr vor dem eigenen Fernseher stattfindet, anstatt unmittelbar auf Tuchfühlung mit dem Künstler. Folgerichtig präsentierte er seine perfekten Manipulationen hinter einem Fernsehrahmen. Eine grandiose Finte, wodurch er die Blicke des Publikums völlig auf seine Hände fokussiert. Und was für Hände das sind! Wohl kaum jemand ist in der Lage, sie so anmutig zu bewegen, wie dieser junge Mann, der in seiner Kindheit von David Copperfield selbst für die Zauberei gewonnen wurde. Sie scheinen zu tanzen, während in ihnen Münzen erscheinen und verschwinden, sich verdoppeln und verdreifachen, um schließlich ins Riesenhafte zu wachsen. Aber auch mit Karten ist das möglich und bei Marcs Fernsehprogramm kommt es auch zur Interaktion mit dem Publikum. Alles in allem eine tolle Idee, die von der Jury gewürdigt werden muss, sofern diese nicht aus lauter Taubblinden besteht.

Zaubersalon Wuppertal 2013 05 184Rick und Maik, die beiden letzten Künstler an diesem Abend, brachten den Saal noch einmal richtig zum Kochen. Mit einer früheren Version ihrer Nummer waren sie schon einmal im Wuppertaler Zaubersalon aufgetreten und damals schon hatte das Publikum vor Begeisterung getobt. Anlässlich der bevorstehenden Teilnahme bei den Vorentscheidungen zur Deutschen Meisterschaft zeigten sie die perfektionierte Version jetzt noch einmal vor echtem Publikum. Von einem bedauernswerten Zuschauer, der als Aushilfs-Kameramann rekrutiert wurde, und den man mit der Aussicht auf einen leckeren Kuchen köderte, liehen sich die beiden das nagelneue Handy aus und steckten es in einen kleinen Beutel. Zwei identische Beutel mit Schrotthandys wurden ins Spiel gebracht und nach einigem Hin und Her wusste niemand mehr so recht, wo das Zuschauerhandy war, auch der arme Tropf nicht, dem es gehörte. Er gab sein Bestes, um es wieder zu bekommen, aber auch die letzte Hoffnung auf ein Wiedersehen erstarb jäh, als Maik neben Tischen und anderem Mobiliar auch das dritte Telefon mitZaubersalon Wuppertal 2013 05 190 einem riesigen Vorschlaghammer zerlegte. Eigentlich hätte man weinen sollen, aber die Schadenfreude überwog, und der Beifall wollte kein Ende nehmen. Irgendwie war es ja auch jedem klar, dass das gute Stück letztendlich doch wieder auftauchen würde, aber ausgerechnet im Kuchen? Auch die zaubernden Kollegen rätseln noch, wie es dort hinein kam. Comedy vom Feinsten!

Der Beifall für Rick und Maik ging nahtlos in den Schlussapplaus über, als Marc Hoff, alias Rufus Grey noch einmal alle Künstler auf die Bühne rief. Nach fast drei Stunden ging ein weiterer Höhepunkt der Wuppertaler Zaubersalon-Geschichte zu Ende.

 

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