Zaubersalon Wuppertal Juli 2016 – Persönliche Eindrücke

IMG 476419. Juli 2016. Hochsommerliche Außentemperatur über 30 Grad. Was gibt es dann Schöneres, als mit einem kühlen Bier auf dem schattigen Balkon den lauen Sommerabend zu genießen. Diese Idylle sollte mir jedoch nicht vergönnt sein, hatte ich doch versprochen, den Wuppertaler Zaubersalon im Kulturzentrum „Börse“ im Zentrum Wuppertals zu besuchen.

Entgegen meiner Erwartungen hatten auch andere die Idee, den Abend nicht bei Grillwurst und kaltem Bier, stattdessen in einem unklimatisierten Theatersaal zu verbringen. Tatsächlich war der „rote Saal“ der „Börse“ an diesem Sommerabend bis auf den letzten Platz gefüllt. Zwar ertappte ich mich manches Mal bei dem Gedanken, ein Fichtennadelaufguss im Saal wäre jetzt angemessen. Andererseits ließ mir das zauberhafte Geschehen auf der Bühne nicht viel Raum für derlei Gedankenspiele.

IMG 4769Der Gastgeber des Zauberabends, Arnd Clever eröffnete das Sommernachtsprogramm. Er verstand es im Handumdrehen, mit seiner natürlich lockeren Art das Publikum für sich zu gewinnen. Aber er beschränkte sich nicht nur auf die Ansage seiner beiden Mitzauberer. Denn mit seinen gewitzten Zaubereien ließ er das Publikum die Hitze im Saal schnell vergessen. Und das war bei gefühlten Temperaturen von 40 Grad im Saal eine bravuröse Leistung!

Er startete seinen zauberhaften Part mit einem Hinweisschild, bei dem die Pfeile, die die Richtung zu den Notausgängen markieren ständig hin- und her sprangen, mal nach rechts, dann nach links, nach oben, nach unten weisend. Drehte sich nach diesem rasanten Trick mein Kopf bereits verwirrt, präsentierte Clever bereits eine 1,5 Liter Cola-Flasche, die er mit Hilfe zweier einfacher Röhren in voller Sicht zusammendrückte. Übrig blieb eine Coladose, die große Flasche war spurlos verschwunden. Im Ärmel wird der Trümmer von Flasche ja nicht verschwunden sein…

IMG 4808Mich von meiner Verblüffung zu erholen war mir indes nicht gegönnt. Denn Tim Rambeau aus dem Siegerland betrat die Bühne und ließ leichthändisch und wie ganz nebenbei ein großes Handmikrophon in einer Papiertüte verschwinden. Zum Nachdenken bleib auch jetzt keine Zeit, denn ohne große Unterbrechung überreichte er einer Zuschauerin ein Buch. Er bat sie, in dem ausgehändigten Kriminalroman eine Seite, einen Absatz und eine Zeile sowie darin ein beliebiges Wort auszuwählen. Dass Rambeau dieses erriet, war zum Gaudium des Publikums dann doch keine Hexerei. Denn als er Rücken an Rücken zur Zuschauerin stand, suchte er geschwind das gewählte Wort aus einem Duplikat des gleichen Kriminalromans heraus, das er heimlich aus seiner Jackentasche gezogen hatte. Umso größer war unser Erstaunen, als er zeigte, dass das Duplikatbuch, in der er Sekunden vorher noch gelesen hatte überhaupt keinen Text enthielt. Stattdessen nur leere weiße Seiten! Anschließend brachte er eine komische Variante des berühmten Ballonbiegens, wie man es von Straßenfesten her kennt und die Wanderung von zwei Spielkarten, die ein Zuschauer die ganze Zeit über fest in seinen Händen hielt.

Sofort enterte Arndt Clever wieder die Bühne und brachte die Zuschauer mit einem Rap-Gesang auf „Betriebstemperatur“, bevor er zu einem umgetexteten Werbeliedchen einen Trick mit einem langen Seil zeigte, das er mehrfach durchschnitt, die Enden zusammenknotete und sich das Seil, nachdem die Knoten in hohen Bögen vom Seil herab flogen, wieder unversehrt wie zu Beginn präsentierte. Ich schwankte zwischen Staunen und Lachen und war begeistert.

IMG 4860An einen Gedanken an das „Wie“ dieses Tricks, der sich vor unseren Augen dargeboten hatte war nicht zu denken, denn mit Maik Brzozka trat ein wahrer Zauberprofi aus dem tiefsten Ruhrgebiet auf die Bühne. Nach schwungvollen Einleitungsworten holte er, wie selbstverständlich – einen bestimmt 2 Meter langen Trinkhalm aus einer gewöhnlichen Papiertüte aus dem Schnellimbiss, um danach nicht nur Cola, sondern auch noch Fanta aus der Papiertüte ein Glas zu schütten. Während ich noch über das Gesehene nachgrübelte, hatte der Hexer aus Herten bereits einen Zuschauer auf die Bühne gebeten, der ihm bei seinem nächsten Trick helfen sollte. Der Zuschauer sollte aus mehreren Karten, auf denen Getränke aufgeschrieben waren eine Karte ziehen. Wie groß war die Erheiterung beim Rest des Publikums, als wir „rein zufällig“ sahen, dass Brzozka ausschließlich Karten mit der Beschriftung „Coca Cola“ in der Hand hielt. Der Zuschauer hatte tatsächlich also gar keine Wahl, als eine Karte mit „Coca Cola“ zu wählen! Und so präsentierte Brzozka, angetan mit Coca Cola Mütze und –Fähnchen seine Vorhersage: Eine Coca Cola Dose. Dass der Zuschauer eine Karte mit der Aufschrift „Milch“ gezogen hatte, ließ allen, auch Brzozka, die Münder offen stehen. Aber ein Zauberer weiß sich offensichtlich stets zu helfen: So goss Brzozka Mich aus der Dose, aus der Sekunden vorher noch Cola geflossen war. Mit einem Gag über das Zerschneiden und wieder Zusammenfügen eines Seiles und über das Gedankenlesen, in dem eine gezogene Spielkarte erraten wird, schloss Brzozka seine sehr humorvolle Darbietung.

IMG 4951Arnd Clever klärte das Publikum darüber auf, dass Zauberkunst tatsächlich nur auf Ablenkung beruhe. Und demonstrierte dieses gleich mit einem Stift und einem Ball, die ständig in seinen Händen erschienen und wieder verschwanden. Als sich schließlich seine Krawatte in einen andersfarbigen Schlips verwandelt hatte, ohne dass es einer von uns Zuschauern bemerkt hätte, war der Applaus groß. Und das war der richtige Zeitpunkt, in die wohlverdiente Pause zu gehen und uns zu erfrischen. Denn nach den Mengen von Cola-Flaschen, Dosen und sonstigen Flüssigkeiten, die uns im ersten Teil präsentiert worden waren, tat die Einnahme von Getränken bei den herrschenden tropischen Bedingungen jetzt sehr gut!

Den zweiten Teil eröffnete Clever mit einer gefühlvollen gesungenen Ballade, bei der unglücklicherweise ein Band aus seinem Ärmel glitt, dass aber länger und länger wurde, je mehr er daran zog. Schließlich entdeckte er das andere Ende des Bandes in seinem linken Hosenbein, das immer länger wurde, nur um später in seinem rechten Hosenbein wieder aufzutauchen. Es war schier zum Verzweifeln und dabei urkomisch. Als zum Schluss endlich seine Krawatte am Bandende aufgeknotet erschien, war das Eis für die zweite Hälfte des Programmes endgültig gebrochen und an die hohen Temperaturen im Theatersaal dachte längst niemand mehr.

IMG 5015Tim Rambeaud zauberte bei seinem zweiten Auftritt an diesem Abend mit Seilen und Tüchern. So wurden mit Pistolen, deren Läufe sich in bunte Tücher verwandelten, Knoten von Seilen geschossen, schlang sich ein Seil von selbst um eine Spielkarte, die zuvor aus einem gemischten Kartenspiel von einer Zuschauerin gezogen wurde und wanderte ein Tuch in eine vormals leere Röhre, nachdem Rambeau dieses zuvor aus einem Klingelbeutel hat verschwinden lassen.

Anschließend leitete Arnd Clever mit einem Zwischenspiel mit einer Flasche, die sich ständig in einer engen Röhre mit dem Flaschenboden nach unten drehte, obwohl sich die gleiche Flasche bei einer Zuschauerin, die dem Geschehen auf der Bühne synchron folgte, stets gemäß den geltenden Naturgesetzten verhielt, zu Maik Brzozka über.

IMG 5064Brzozka hatte zwei Bücher mitgebracht: „Was Frauen über Männer wissen“, ein engbedrucktes, umfangreiches Buch, das er einer Zuschauerin überreichte. Das zweite Buch „Was Männer über Frauen wissen“ enthielt nur – leere Seiten! Dieses übergab Brzozka einem Zuschauer. Und obwohl beide Zuschauer die Bücher fest in den Händen hielten und Brzozka absolut keine Gelegenheit mehr hatte, irgendetwas an den Büchern zu manipulieren, verschwand eine Seite, die die Zuschauerin irgendwo in ihrem Buch ausgewählt hatte, auf einmal aus ihrem Buch. In dem Buch des helfenden Zuschauers hingegen tauchte eine bedruckte Seite auf: Die Seite, die die Zuschauerin vorher gewählt hatte und die aus ihrem Buch verschwunden war. Bei einem lustigen Raten, welche von vier Coladosen vorher geschüttelt worden war, blieb kein Auge trocken. Und auch der Bühnenboden nicht…

IMG 5133Der Abend war wie im Flug vergangen. Beim abschließenden Finale, bei dem überdimensionale Abbilder einer vorher gewählten Spielkarten auf den Rücken der Ausführenden erschienen, spendete das Publikum ausgiebig Applaus. Auch für Dag Kleffmann, der an diesem Abend zum ersten Mal die Licht- und Tontechnik absolut fehlerfrei und völlig souverän gesteuert hat.

Auf dem Heimweg gingen mir die vielen Rätsel, die sich eben vor meinen Augen abgespielt haben nicht aus dem Kopf. Aber solange ich auch grübelte: auch nur eine einzige kleine Erklärung kam und kam mir nicht in den Sinn. Jedenfalls war der Gedanke an einen verpassten Grill- und Bierabend endgültig verschwunden. Wie durch Zauberei…

Frank Moll 

 

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