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Es kommt heute immer gut an, wenn ein junger Mensch, Mitte 20, sich zu benehmen weiß. Und wenn er dann auch noch adrett gekleidet ist und so gut aussieht, wie Chris Calvin aus Köln, dazu noch charmant mit dem Publikum umzugehen versteht, schmelzen die Herzen aller Damen mittleren Alters dahin. Ja, so Einen wünscht man sich zum Schwiegersohn.

Er leiht sich von einer Zuschauerin, die er chavaliermäßig auf die Bühne geleitet, einen Ring, den er unter mysteriösen Umständen in Rauch aufgehen lässt. Nun verschwindet eine Walnuss und zuletzt ein Ei. Die unsichtbar gewordenen Dinge werden symbolisch in eine große Zitrone gepackt, wo sie sich tatsächlich, nach einer gehörigen Portion Magie, wieder einfinden. Immer schön das eine im anderen verpackt.

Gelobt werden muss an dieser Stelle auch, dass der junge Künstler seine Hinterlassenschaften, Eierschalen, Walnusssplitter und Zitronensuppe ordentlich entsorgt, und sie nicht einfach seinem Nachfolger überlässt. Auch keine Selbstverständlichkeit mehr, heutzutage.

 

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Und dieser Nachfolger ist Thomas Künstner. Mitglied in verschiedenen Zauberclubs, wie zum Beispiel den Magischen Zirkeln Wuppertal und Düsseldorf. Angesagt wird er, wie alle Zauberer an diesem Abend, von Frank Preußner, der sich als Moderationstalent erweist. Er nennt Thomas einen Mentalisten, und das ist er tatsächlich. Er spielt in seiner lässigen süddeutschen Art mit den Gedanken der Zuschauer. Auf diese Weise verhindert er zu Beginn seiner Nummer, einen schwerwiegenden Bühnenunfall, so dass er unbeschadet über Verschwörungstheorien referieren kann und zusammen mit einem Herrn aus dem Publikum gleich eine neue Theorie in die Welt setzt und verbreitet. So wird aus dem trockenen „Magischen Quaderat“ ein Meisterstück augenzwinkernder Unterhaltungskunst.

Ja, er nimmt sich selbst und die Mentalmagie nicht so bitterernst, und das tut einem wohl.

Dennoch bleibt es rätselhaft, wie er die Worte, die zwei Zuschauer frei und unabhängig voneinander aus Büchern wählen, auf seine magische Tafel zaubert. Eine schöne Tafel übrigens, die zu der Nummer passt und nicht an ein Großraumbüro erinnert, wie das leider oft zu sehen ist.

 

Rechts neben mir befinden sich vier junge Männer, die sich bestens amüsieren. Ich höre deutlich, wie der Mann direkt neben mir sagt: „ich hab genau drauf geachtet. Er hat den Umschlag nicht ausgetauscht“.

Wer die wohl sind? Scheinen irgendwie wichtig zu sein. Immer wieder kommt mal einer vorbei, fragt, ob alles recht ist, ob man auch alles gut sieht…? Jetzt erst fällt mir auf, dass ihre Sitzplätze reserviert waren. Angehörige von Künstlern? Presse? Sponsoren gar? In der Pause werden sie dann sogar hinter die Bühne geführt… Merkwürdig! Beneidenswert!

 

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Hans Dillenberg, der dritte Künstler des Abends, mit dem Geisterkabinett, französelnd, was daher kommt, dass er viel im Ausland arbeitet. In die Jahre gekommen, wie er selber findet und mit einer gehörigen Portion Lebenserfahrung, sieht er sich als den Bewahrer magischer Geheimnisse. Den hölzernen Kasten, den er auf die Bühne trägt, hat er von einem Flohmarkt, einem Pariser Flohmarkt, versteht sich.

Und der hat es im wahrsten Sinne des Wortes in sich. Ein Glas und ein Ball vollführen hinter dem geschlossenen kleinen Vorhang magische Kapriolen, Tücher, die von der assistierenden Zuschauerin auf das Festeste miteinander verschlungen wurden, entknoten sich in seinem Inneren. Natürlich erst, wenn die Geisterglocke dreimal ertönt. Drei entliehene Fingerringe, einer von meiner holden Gattin, verketten und trennen sich wieder.

Eng mit dem Kasten verbunden ist die Geschichte einer jungen Frau, die mit einer angeborenen Behinderung zu kämpfen hatte. Sie überwand ihr Leid, so erzählt uns Hans, indem sie den Mitmenschen mit eben diesem „Geisterkabinett“ magische Momente und wohlige Schauer schenkte. Aber, wie das im echten Geisterleben so ist, sie kamen nicht immer. Wer hätte auch jemals von Gespenstern gehört, die man dressieren kann und die jederzeit Männchen machen, sobald man es wünscht. Der Künstler nimmt es gelassen und beweist damit seine Routine. Er wird weiterhin fleißig zauberhafte Geheimnisse sammeln und stellt uns für die Zukunft andere Mysterien in Aussicht. Denn er ist der Hüter und Bewahrer der Magie.

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Bevor Frank Preußner alle Künstler des Abends zum Finale auf die Bühne ruft,

schwebt noch einmal Chris Calvin heraus, um uns „Karte aus Mund“ zu zeigen. Auch hier ist wieder hoch zu loben, dass die gefundene Spielkarte, die der junge Magier gefaltet und unterschrieben aus seinem Mund hervorholt, in einen Plastikbeutel gepackt wird, bevor er sie dem Zuschauer als Andenken überreicht. Hygiene heißt das Zauberwort.

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Die allgemeine Aufbruchstimmung nutze ich und frage einen der jungen Männer neben mir, ob er zum ersten Mal den Zaubersalon besucht. Des Rätsels Lösung:

Die Vier haben bei „Radio Wuppertal“ Freikarten gewonnen. Sie dürfen außerdem einen Blick hinter die Kulissen werfen, sowie sich mit den Künstlern unterhalten. „Meet and Greet“ nennt sich das in der Mediensprache. Eine Aktion, die zum ersten, aber hoffentlich nicht zum letzten Mal stattfindet. Unsere Tischnachbarn haben es jedenfalls sichtlich und hörbar genossen.

 

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