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Mike Biel, aus Hünfeld in Hessen, ist Mentalist und Zauberkünstler. Mit seinem Soloprogramm: „Ich weiß, was Du letzten Sonntag gedacht hast“, gestaltete er den 79. Wuppertaler Zaubersalon.

Im ersten Teil erriet er fast exakt die Zimmernummer, die eine Zuschauerin vor ihrem geistigen Auge sah. Der Hotel-Schlüssel, der schon zuvor in einem Kästchen gehangen hatte, war mit dieser Nummer graviert. Bei der verabredeten Uhrzeit lag er völlig richtig, und auch, dass die Dame ans Wasser reisen wollte, hatte er korrekt erraten.
Dann ließ er von zwei Zuschauerinnen Karten ziehen, auf denen einfache Symbole abgebildet waren. Hier lag er beide Male richtig.
Im weiteren Verlauf ging es um die Frage, ob an der Astrologie etwas dran ist, oder nicht. Das Publikum war sehr skeptisch. Bei dieser ablehnenden Haltung ist es nicht verwunderlich, dass der Künstler bei einer Zuschauerassistentin leicht daneben lag, was deren Sternzeichen betraf. Trotzdem war die Dame schwer beeindruckt, als er ihr mehrere Male sagen konnte, welche Zahl sie in Gedanken gewürfelt hatte.
Er sprach dann vom so genannten „Geburtstagsparadoxon“, das sich auch hier bestätigte, denn es gab zumindest ein Geburtstagskind an diesem Abend.

Mittlerweile war die Hitze im Saal unerträglich geworden, so dass ich das Geschehen kurz verlassen musste, um mich zu erfrischen. Mike Biel, für den es ja noch heißer gewesen sein muss, hielt tapfer durch und zeigte den Nageltrick. Allein dafür hätte er schon das Bundesverdienstkreuz verdient. Das war wirklich kein Wetter für Mentalmagie.

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Als ich nach der Pause wieder im Publikum saß, waren beide Hände des Magiers noch intakt, so dass davon auszugehen ist, dass der Nageltrick funktioniert hat. Auch sein Farbenraten hatte ich verpasst, es soll aber nach Aussagen anderer Zuschauer ein voller Erfolg gewesen sein. Die Hälfte der Zuschauer war gegangen. Die Betreiber der „börse“ sollten tatsächlich mal über eine Klimaanlage nachdenken.

Der nächste Trick war wirklich schön. Immer wieder deutete er die Körpersprache von Gunhilde Wahl, der Betreiberin des Zaubersalons, richtig, und wusste zuverlässig, in welcher Hand sie das Bonbon versteckt hatte. Gerade durch seine Einfachheit kommt dieses Kunststück beim Publikum so gut an. Jeder fühlt sich in die eigene Kindheit zurück versetzt.

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Es wurde nun musikalisch, und Mike Biel bewies sein tänzerisches Talent. Das Musikstück, das ein Herr aus dem Publikum sich aus einer Liste ausgewählt, und in Gedanken vor sich hin gesummt hatte, erfasste der Mentalist zuverlässig. Es folgte noch ein Buchtest, sowie das Erraten von Gegenständen mit verbundenen Augen. Und die Augen von Mike waren extrem verbunden. Zwei Münzen, mit Klebeband fixiert, plus einer undurchdringlichen Augenbinde.
Klasse!

Das Schluss-Kunststück entsprach dem Motto des Programms. Im Vorfeld der Show hatten etliche Zuschauer Zettel ausgefüllt, auf denen sie ihre Gedanken oder Aktivitäten des letzten Sonntags notierten. Diese Zettel befanden sich in einer verschlossenen Kiste, die den ganzen Abend über am vorderen Bühnenrand gestanden hatte. Ohne hinzuschauen erriet der Künstler die Gedanken mehrerer Zuschauer und war in der Lage, sie bestimmten Personen zuzuordnen.

Man muss seinen Beruf wirklich lieben, um unter diesen ungünstigen Bedingungen geistige Wunder zu vollbringen. Der Schlussapplaus der Zuschauer, die der Hitze getrotzt hatten, war deshalb groß und ehrlich gemeint.

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