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Sein Ruf war ihm vorausgeeilt; ein Fernsehbeitrag hatte das Übrige getan, und so strömten am Dienstagabend mehr als 160 Zuschauer in „die börse“, um Jan Forster, Deutschlands unterhaltsamsten Gedankenleser und Mentalisten, zu erleben. Mehrmals musste das Personal Stühle nachliefern, um möglichst vielen Besuchern einen Sitzplatz bieten zu können.

 

Angekündigt vom Vorsitzenden des Magischen Zirkels Wuppertal, Reiner Walter, einem langjährigen Freund und Bewunderer, stürmte der Entertainer die Bühne und bot über zweieinhalb Stunden ein Feuerwerk an Unterhaltung.

 

„Mit allen Sinnen. K(ein) mentaler Unfug“  , so der Titel seines Soloprogramms, und diesem Motto blieb er bis zur letzten Sekunde treu, denn er bezog alle Sinne in seine Vorführung ein, inklusive des „Blödsinns“, wie er selbst immer wieder betont. Ja, wer angestaubte Esoterik, oder gruseligen Firlefanz erwartet, der wird enttäuscht.

„Selten so gelacht“, lautet einer der zahlreichen Pressekommentare. Und auch an diesem Abend überwiegen Spaß und gute Laune, ohne dass dabei das Staunen zu kurz kommt.

 

Es beginnt mit zwei Papiertüten, beschriftet mit 1 und 2, von denen er eine  auswählen lässt. Die andere pustet er auf und lässt sie platzen... Die gewählte Tüte enthält ein dickes Schokoladenbärchen, das er der helfenden Zuschauerin als Präsent überreicht.

Dafür muss sie aber noch etwas tun. Sie wird auf die Bühne gebeten, wo Jan Forster treffsicher ihr Sternzeichen errät. Waage!
Dann soll sie an eine zweistellige Zahl denken, ohne sich von ihm beeinflussen zu lassen, was ihr natürlich nicht gelingt.

 

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Genau um 20.21 Uhr springt ein Zuschauer auf und läutet eine Glocke. Zuvor hatte er die Instruktion bekommen, sich nur von seinem Gefühl leiten zu lassen. Er hatte bis zur Pause Gelegenheit, aber es riss ihn exakt zu der Zeit vom Stuhl, die der Gedankenleser vor der Show auf einer großen Uhr eingestellt hatte, welche die ganze Zeit über verdeckt und unberührt auf der Bühne stand.

 

Zwei ziemlich frisch verheiratete Eheleute bewiesen dann, dass alles zwischen ihnen noch stimmt, indem einer jeweils einen Würfel unter einen Becher legte, während der andere in der Lage war, die nach oben weisende Augenzahl zu erraten, zu erspüren, zu erfühlen oder wie auch immer… Es muss Liebe sein!

 

Was dann folgte, ließ auch alte Hasen der Zauberszene, von denen es an diesem Abend nicht wenige gab, an ihrem Verstand zweifeln. Eine Dame aus dem Publikum trank heimlich eines von fünf Getränken, und Forster war offensichtlich in der Lage, den Geschmack auf ihrer Zunge nach zu vollziehen. Damit nicht genug. Sie verteilte wahllos Getränke an das durstige Volk, wobei sich herausstellte, dass der Magier ihre Wahl vorhergesagt hatte. Ich selbst sah diesen Trick bereits vor vier Jahren und weiß bis heute nicht, wie er funktioniert.

 

Nun musste ich ebenfalls auf die Bühne, um die Gedanken meiner holden Gattin zu erraten. Scheinbar hat es funktioniert, denn die Tischglocke in meiner Hand bimmelte ohne mein wissentliches Zutun. Keine Fäden, keine Elektronik. Wie habe ich das nur gemacht? Meine Bedenken, Jan Forster die Show kaputt zu machen, weil ich so ziemlich blind bin und handgeschriebene Zettel mir große Schwierigkeiten bereiten, erweisen sich als unbegründet.  Ich habe es mit einem Vollprofi zu tun, der die ganze Welt mit seinen Shows bereist, auf Kreuzfahrtschiffen und in renommierten Hotels arbeitet, wenn er nicht gerade seine Zauberfreunde in Wuppertal besucht um ohne Gage aufzutreten und Seminare zu halten. Er meistert die Situation, indem er fast unbemerkt umdisponiert und mich gut aussehen lässt.

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Vor der Pause wird noch „Stadt, Land Fluss“ gespielt. Jan sprüht immer noch vor Elan, nicht die geringste Erschöpfung ist ihm nach einer Stunde Hochleistungsmagie anzumerken, als er zielsicher Städte errät, die die Zuschauer gerne einmal besuchen würden. Er empfängt sogar Gedankenwellen von Personen ganz hinten im Saal, die gar nichts notiert haben. Und das ist der Moment, in dem es zum ersten Mal „spooky“ wird.

 

Omas Grabbelkiste ist das erste Kunststück nach der Pause. Immer wieder erzählt Jan aus seinem Leben und erwähnt Personen, die ihm wichtig sind. Seine Kinder, seine verflossenen Ehefrauen und auch die Oma, bei der er sich als Kind etwas aus der „Grabbelkiste“ nehmen durfte. Man spürt, dass es echte Geschichten sind und fühlt sich in die eigene Kindheit zurückversetzt. Mehrere Personen nehmen sich heimlich einen Gegenstand heraus und der Künstler ermittelt anhand ihrer Berufe und Vorlieben, was sie gewählt haben. Einen weißen Würfel, ein Auto…

 

Auch sein Buchtest lässt  die Vielseitigkeit dieses Künstlers erkennen. Man merkt, dass man es mit einer gebildeten Person mit unzähligen Interessen zu tun hat. Die blitzschnellen Reaktionen auf Zuschauerkommentare beweisen Scharfsinn und Schlagfertigkeit. Egal, ob er die ausgewählten Wörter errät, oder, wie beim nächsten Kunststück, Zeichnungen oder die Gegebenheiten des ersten Kusses, immer sind da Emotionen mit im Spiel und es geht weit über das hinaus, was auf der Bühne sichtbar ist. Jan Forster benutzt nicht nur all seine Sinne, er spricht auch die seiner Zuschauer an.

 

Wenn bis zu diesem Zeitpunkt hauptsächlich die Lachmuskeln in Aktion getreten waren, so zeigte er bei seinem letzten Kunststück, dass er die Bezeichnung Mentalist zu Recht trägt. Ein Kartenspiel, das eine halbe Stunde lang gemischt worden war, wurde von drei Zuschauern abgehoben, die sich jeweils eine Karte merkten. Der Unterhaltungskünstler lehrte nun den Herrn, der so fleißig gemischt hatte, wie man Gedanken liest. Ohne das Spiel, oder auch nur eine Karte daraus anzufassen, sagte er allen drei Mitspielern auf den Kopf zu, an welche Spielkarte sie dachten. Ein unvergesslicher Moment, sowohl für Laien, als auch für Zauberer. Nachdem es erst ganz still im Saal geworden war – man konnte das ungläubige Staunen regelrecht greifen – brandete ungebremster Beifall los, der nach einer Zugabe verlangte.

 

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Die kam in Gestalt der Zahl π. Diese Zahl, von der schon die alten Griechen wussten, dass sie niemals endet, muss theoretisch alle Informationen des gesamten Kosmos in sich tragen. Der Mentalist und Magier bewies, dass er die ersten 7500 Ziffern hinter dem Komma fehlerfrei memoriert hat.

 

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