Am 21.11.2017 fand die November-Ausgabe des ZauberSalon Wuppertal statt, diesmal mit zwei großartigen Zauberkünstlern und einem in jeder Hinsicht besonderen Gast.

Den Anfang und das Ende der Show bildete der junge Magier Chris Calvin. Der 23-jährige war nun bereits zum dritten Mal im ZauberSalon dabei.

Moderator Frank Preußner fiel die Anmoderation des Zauberers schwer, solle er doch die Erwartungen nicht zu hoch schrauben. So blieb er einfach bei „schüchtern und charmant“. Und damit hat er es ziemlich gut getroffen.

Chris begann seinen Auftritt mit einer kleinen Erzählung darüber, wie er zur Zauberei gekommen war. So habe sein Opa bereits gezaubert und ihn mit dieser Leidenschaft angesteckt. Wie aus dem Nichts erschien ein Brief dieses Großvaters in den Händen des Magiers; in diesem wünsche der Opa ihm auch weiterhin viele magische Momente. Und das hat sich Chris zur Aufgabe gemacht: anderen magische Momente zu schenken. Ein schöner, tiefgreifender Einstieg, der trotzdem ganz ohne übertriebene Emotionalität auskommt.

Den ersten dieser magischen Momente schenkte Chris einer Dame, die ihm ihren Ring lieh. So ließ der Zauberkünstler zuerst den Ring, dann eine Walnuss und zuletzt ein Ei verschwinden, um all diese Dinge dann auf einen Schlag an ein und demselben Ort wieder erscheinen zu lassen. Eine wundervolle und wie ich finde herausragend durchdachte und präzise vorgeführte Version eines eigentlich klassischen Effektes macht dieses Kunststück absolut außergewöhnlich.

„Wo ich herkomme gibt es alle fünf Straßen ‚ne Moschee – Franktfurt!“

Als Special Guest hatte der ZauberSalon Wuppertal erstmals einen Comedian auf seine Bühne eingeladen. Mohammed Ibraheem Butt stellt sich selbst mit seinem Programm vor; „Triple M“ stehe für die drei vermeintlichen Gefahren, die von ihm ausgehen: Migrant, Moslem, Mann. Der in Deutschland geborene Brite mit „indopakistanischer Herkunft“, oder so ähnlich, macht sich auf sympathische und authentische Weise einen Spaß daraus, sich, seine Herkunft und die Comedy/Kabarett-Szene aufs Korn zu nehmen.

So versucht er dem Publikum deutlich zu machen, was die Unterschiede der Genres eines Bühnenkünstlers sind. Poetry Slam, Musik, selbst Zauberkunst und dessen schöne Umschreibung „Da, da ist es – höh, wo ist es?“, ihm und dem Publikum alles eindeutig. Aber wann er Kabarett und wann er Stand-up-Comedy macht, das wisse er selbst nicht so genau. Egal – lustig ist es auf jeden Fall! ;)

Eine echte Gefahr gehe von ihm aber nicht aus; schließlich sei er nicht mit einem LKW, sondern einem Fernbus angereist, und den habe er auch nicht entführt. Sei ja auch eine komische Vorstellung. Um Bombenleger zu werden, sei er in Chemie auch viel zu schlecht gewesen. Er habe zwar auf ein Gymnasium gehen wollen, aber „die Lehrer meinten, bessere Bildung tut mir nicht gut“.

Außerdem habe er sich auch schon bestens integriert, er kläre Probleme typisch deutsch, wie ein echter Mann: Er schicke seinen Anwalt vor. Und er feiere auch den 3.10. als historischen Tag, an dem endlich die Wege frei werden. Nicht so ganz, wie man jetzt denken könnte, aber immerhin. Auch die deutsche Sprache liege ihm besser als der Hälfte der Deutschen – inklusive Bayern und Sachsen. Was ihm allerdings Probleme bereite, seien Pronomen und „Was?!“ als Ein-Wort-Satz.

Zum Ende seines Auftritts schlug der junge Künstler noch einige ernstere Töne an, berichtete von einer Situation in der Schule, die ihn zu der Frage veranlasse, was manchmal schief läuft. Welchen Grund es gäbe, einen Migranten so lange zu einer impulsiven Aussage zu provozieren, nur um entgegnen zu können „Dann geh doch zurück“. Ebenso unverständlich sei ihm die Ungleichheit bei der Bewertung von Straftaten durch Deutsche und Moslems.

Wer sich jetzt fragt, was das mit Comedy zu tun hat, dem sei gesagt: Ibraheem ist tatsächlich mehr Kabarettist als einfacher Stand-up-Comedian. Ihm liegt es, derart ernste Themen für sich nutzen, um sie aufzubrechen, allgemein verständlich zu machen und ihnen irgendwie den Schrecken zu nehmen, die Leute damit sogar zum Lachen zu bringen – und das ganz ohne schlechtes Gewissen. Durch seine eigenen Lachanfälle und seinen Umgang mit Zwischenrufen wirkt er selbst echt, man kann ihm abkaufen, was er erzählt, und man hört ihm zu. Im Gespräch nach der Show betonte der Comedian, genau das sei es, was er wolle. Er beschäftige sich mit der Thematik, bevor er darüber erzähle; er wolle niemandem seine Meinung aufdrücken, aber dem Publikum die Gelegenheit geben, sich selbst ein Urteil zu bilden. Und ich persönlich schätze es sehr, dass es Künstler gibt, die mit dieser Einstellung auf eine Bühne wie die des ZauberSalons gehen – und ihren Auftritt sogar ganz dem Stil nach mit einem kleinen Zaubertrick abschließen.

Wer sich für die einzigartige Art des Comedian interessiert, sollte einmal hier nach Terminen stöbern: http://www.comedy-butt.de/

Der dritte Künstler des Abends war bereits im Oktober im ZauberSalon – Timothy Thomson. Auch dieses Mal hatte der „Staubsaugervertreter unter den Zauberern“ jede Menge Wunder dabei, die er dem Publikum verkaufen wollte. Trotzdem überraschte ihn der Beginn seines Auftritts wohl, wollte er doch eigentlich noch seinen Zauberwürfel lösen. Doch manchmal ginge das wohl auch ohne viel Zeit, viel Geduld oder ein gutes System – einfach nur mit Zauberei…und einer Papiertüte.

Nicht nur beim Verkaufen, auch beim Verhandeln muss man sich geschickt anstellen. So erkor der aus Lüdenscheid stammende Zauberkünstler zwei Freiwillige aus, einen Käufer und einen Verkäufer, die über einen besonders magischen Gegenstand verhandeln sollten. Das fliegende Eis sei 100€ wert, 10€ Trinkgeld könne es noch geben. Doch während das abgezählte Geld bei jedem Zählen, egal durch wen, immer weniger wurde, wurde die Skepsis des Zauberers immer größer. „So ganz traue ich Euch nicht mehr, ich packe das restliche Geld lieber weg.“ Doch ein Schnipsen, ein letztes Mal zählen – und schon ist da mehr Geld als zuvor. Hätte man da mal besser genauer hingeschaut…

Viele der heutigen Einkäufe geschehen über das Internet; Kataloge gäbe es heute kaum noch. Deshalb wolle Timothy den Katalogen neues Leben einhauchen, im wahrsten Sinne des Wortes. So reiche ein bisschen Magie, um einen leeren Weinkatalog mit Weiß- oder Rotwein zu bebildern, und sogar etwas zu schaffen, was das Internet nicht kann: Eine sofortige Weinprobe direkt aus dem Katalog.

Verkaufen liegt ihm wohl, aber eines rege ihn wirklich auf. Teleshopping; dubiose Angebote, überzogene Verkäufer, Dinge, die die Welt nicht braucht. Probieren wollte er es trotzdem mal. So versuchte er, seinen Zuschauern im „Magic Teleshopping“ ein unglaubliches Weinset zu verkaufen – mit einem Glas und einer Flasche Wein, die mit Hilfe einer oder zweier Röhren die Positionen tauschen können; einem zusätzlichen Glas; praktischen Flaschenmarkierern, zig zusätzlichen Flaschen, wo auch immer die alle herkamen; und das alles für einen Preis – der absolute Hammer! Eine sehr kreative und lustige Variante eines Klassikers, bei der der Zauberkünstler seinem Ruf als „Wunderverkäufer“ mehr als gerecht wird. Überhaupt ist die Verbindung aus seinem Beruf als Verkäufer und der Zauberei eine großartige Kombination, die Timothy in der deutschen Kleinkunstzauberei so außergewöhnlich macht. Seine charmante und sympathische Art runden seine Auftritte ab.

Sicherlich ist Timothy auch nochmal im ZauberSalon zu Gast; vorallem arbeitet der 26-Jährige aber an seinem abendfüllenden Theaterprogramm. Ihn und seine Arbeit im Auge zu behalten lohnt sich auf jeden Fall! Wer mehr über den jungen Magier erfahren will, der findet hier seine Webseite: http://timothy-magic.com/

Zu guter Letzt durfte noch einmal Chris Calvin die Bühne betreten.

Die Hände seien oft schneller als die Augen. „Doch was, wenn ich meine Hände nicht benutze?“ Zuviel versprach er damit nicht, fand er die gezogene und vom Zuschauer unterschriebene Karte eben nicht mit den Händen, sogar mit dem Mund wieder. Zungenfertigkeit, könnte man sagen.

Um ehrlich zu sein: Die fehlende Theaterbühnenerfahrung des Kölner Zauberers konnte man zu Anfang kaum leugnen. Besonders im ersten Teil wirkt der junge Magier noch nervös, Zwischenrufe werden unsicher aufgenommen, die Finger zittern ein wenig. Doch höflich ist er und charmant, hat eine angenehme und irgendwie berührende Erzählweise und spätestens bei seinem zweiten Auftrittsteil scheint das Eis gebrochen. Chris kann nicht nur Gentleman sein, er kann auch Gags passend und taktvoll einsetzen, überrascht mit Aussagen wie „meine Acts, meine Gags“ und zieht so das Publikum wohl endgültig für sich an Land. Hinzu kommen der präzise ausgetüftelte Einsatz von Musik und die erstaunliche unauffällig-saubere Fingerfertigkeit, die seine leider sehr kurzen Auftritte einmalig machen. Umso mehr freute es mich zu hören, dass auch Chris mehr Auftritte auf den Theaterbühnen des Landes anstrebt. Mehr über den sympathischen Zauberkünstler gibt es hier zu erfahren: http://chris-calvin.de/

Auch der 84. ZauberSalon war wieder ein tolles und magisches Ereignis mit großartigen Künstlern, und besonders war er durch den erstmaligen Auftritt eines Comedian.

Der nächste ZauberSalon findet am 19.12.2017 statt; eine Besonderheit, denn dort treten Künstler des MzvD-Ortrings Wuppertal auf zu Ehren des Gründers des Wuppertaler ZauberSalons Henry Wahl.

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