image001 (3)

Am 19.12.2017 war wieder einmal Zeit für den ZauberSalon Wuppertal, schon zum 85. Mal.
Doch in diesem Monat gab es eine Besonderheit: Die Veranstaltung fand zu Ehren des Gründers des Wuppertaler ZauberSalons, Hans-Hermann „Henry“ Wahl, statt. Er ist vor etwa einem Jahr plötzlich verstorben. „Du darfst alles, nur nicht langweilen!“, war einer der Sprüche, die Henry den Künstler auf der Bühne der „Börse“ in Wuppertal mitgegeben hat, so erzählte Moderator des Abends Dr. Gunter Glaser. Diesen Abend gestalteten Mitglieder des Magischen Zirkels Wuppertal e.V., dessen langjähriger Vorsitzender und Ehrenmitglied Henry war.

IMG 1612

Einer der Anwärter auf die Mitgliedschaft im magischen Zirkel und der jüngste Künstler des Abends war Sandor Scharle, der neben Hans Dillenberg mit Close-up-Zauberei im Publikum vor der Show und in der Pause die Zuschauer unterhielt und dafür viel Applaus bekam.

Den Anfang auf der Bühne machte Reiner Walter. Er kam nicht nur hervorragend vorbereitet schon mit einem Besen auf die Bühne, sondern zeigte mit einem schönen Trick (einem meiner persönlichen Lieblingskunststücke), der das gesamte Publikum einbindet, wie man mit Hilfe von vier Spielkarten sein Glück zur Weihnachtszeit finden kann.

IMG 1507

Donatus Weinert zeigte, wie der Begriff „Ärmelkanal“ Sinn macht und dass Zeit das kostbarste Gut ist. Was erst einmal nach einem philosophischen Vortrag klingt, kann man schnell entschrecken: All das schaffte der Zauberer mit dem roten Knopf mit einer
verwirrend-präzisen und sprachlich schön ausgeschmückten Seilroutine.

IMG 1520

Auch Lothar Ullrich war an einem besonderen Merkmal zu erkennen: Der Bugs Bunny-Krawatte! Er präsentierte einen nervenaufreibenden Trick, zu dem eine Guillotine, Karotten, eine aufgewühlte Frau, ein veganer und ein nicht veganer Trickteil gehörten. Die gute
Nachricht: Die Hand war anschließend noch dran.

IMG 1563

Hans Dillenberg führte ein Ringspiel vor, dass zu entsprechender flotter Musik entsprechend beeindruckend wirkte – insbesondere als er den Ring einer Zuschauerin in ein Geflecht aus drei weiteren Ringen einarbeitete – und ihn unversehrt wieder herausholte.

IMG 1590

Frank Moll wollte das Publikum überzeugen von drahtloser Teleportation in schneller Geschwindigkeit. „Na-türlich!“, mag jetzt manch einer denken, doch wenn man ihm so beim Hin- und Her-wandern- lassen von Flasche und Glas nur mittels zweier Röhren zuschaute,
wollte man ihm fast glauben. Was wohl die unzähligen Zusatzflaschen damit zu tun haben?

IMG 1627

Auch der Moderator ließ sich nicht lumpen, den Zuschauern des ZauberSalons ein wenig Magie zu präsentieren. Gunther, dem nach eigener Aussage als Chirurg die Guillotine eigentlich am meisten zusagte, versuchte sich jedoch an einer kleinen, aber feinsinnigen
Entfesselungsnummer. Die beiden beteiligten Zuschauer konnten wohl am wenigsten fassen, wie der Künstler sich ohne mit der Wimper zu zucken aus den Fesseln befreite, nur um den richtigen Trickablauf mit einer freien Hand zu kontrollieren. Den alten Rekord im Entfesseln hat der damit allemal gebrochen.

IMG 1657

Nun betrat ein Anwärter auf die Mitgliedschaft im Magischen Zirkel die Bühne. Dag Kleffmann hatte sich zur Aufgabe gemacht, seine besondere Kunst zu präsentieren: Der Verbindung aus Zauberei und Feuerschlucken. Die Begeisterung daher rühre aus der
Begeisterung für den Zirkus. So zerschnitt er einen Zeitungsausschnitt von der letzten Tour seines Lieblingszirkus an einer von einem Zuschauer frei gewählten Stelle. Das Wort, das nun auf dem abgeschnittenen Teil für den Zuschauer ersichtlich war, hatte sich im wahrsten Sinne des Wortes in Dags Haut „gebrannt“. Eine spannende und individuelle Nummer, die zu Recht die Einschätzung nach sich zog: Die Anwartschaft dürfte damit bald vorbei sein.

IMG 1690

„Vertrauen ist die wichtigste Basis für die Zusammenarbeit mit einem Zauberkünstler“, stellte Werner Prix selbstironisch fest, während das äußerst skeptische Publikum ihm auf die Finger sah. Doch egal, wie genau man hinschaute, erkennen konnte man nicht, wie der Zauberer die Reihenfolge und Richtung der mit Zahlen beschrifteten Würfel änderte, wenn er die eine Würfelsäule zurechtlegte, über die zweite Würfelsäule eine Röhre stülpte, und beide Würfelsäulen komplett gleich waren – egal, wie die zweite zuvor ausgesehen hatte.

IMG 1712

Den wohl rührendsten Moment des Abends schenkte Atilla Peken dem Publikum. Henry habe ihm immer gesagt „Langweile die Leute nicht mit schlechten Kartentricks“. So habe er sich eben einen guten Kartentrick ausgesucht. Klassisch zwar, denn ein Zuschauer wählte eine Karte. Dass er jedoch genau die wählte, die der Gründer des ZauberSalons scheinbar selbst noch als Vorhersage hinter sein Bild gelegt hatte, erstaunte, rührte und faszinierte fast so sehr wie die vielen kleinen Momente stillen Gedenkens und liebevoller Erinnerung an diesem Abend.

IMG 1750

Den Abschluss des Abends bildete ein weiterer Anwärter. Frank Preussner erzählte mehr als bildhaft das Märchen von dem „Herz aus Glas“ und brachte so eine ganz bestimmte Botschaft auf die Bühne: Wer nichts als Selbstsucht und Gier in sich findet, darf sich nicht wundern, wenn sein Herz zu Glas erstarrt.

IMG 1770

Ich bin mit einem merkwürdigen Gefühl in den Abend gestartet, da ich nicht wusste, was ich mir unter dieser besonderen Besetzung vorstellen sollte. Doch zusammenfassend kann ich sagen: Es war ein schöner und in jeder Hinsicht unterhaltsamer Abend mit vielen
sympathischen Künstlern und tollen Klassikern und Neuauflagen der Zauberei. Ein Abend voller „alter Bekannter“ und neuer Gesichter, Künstler, die es schon lange auf die einzigartige Bühne des ZauberSalons zieht und solche, die sich neu bewähren wollen. Und ein Abend
voller nachdenklicher, erstaunlicher Momente, aber auch ganz vieler Lacher. Diese Mischung hätte Henry sicher sehr gefallen.

Das schreibe ich in dem Wissen, den Gründer des ZauberSalons nie kennen gelernt zu haben. Doch nachdem ich an diesem Abend gesehen habe, wie viele Menschen er inspiriert und animiert hat, sich mit einer der wundervollsten Kunstformen der Welt zu beschäftigen, wie vielen Zauberern er durch sein Werk eine Bühne geboten hat, und wie vielen Menschen Henry so viel bedeutet hat, wünsche ich mir mehr denn je, ich hätte ihn kennen lernen können. Mehr bleibt mir aber nicht zu sagen als: Danke, Henry.

IMG 1804

Zum Abschluss des Jahres nutze ich diese Möglichkeit, um nach meinem achten Besuch im ZauberSalon und dieser besonderen Show auch einen Dank auszusprechen an alle Künstler, die die ZauberSalon-Bühne beleben, an Julia Lukasch und Bernd Grams für die tollen Fotos der Shows,Gernot Walter für's Filmen und an alle vom ZauberSalon- und Börsen-Team für Technik und das ganze gelungene Drumherum. Und zu guter Letzt an Jessie und ihre Mutter Gunhilde Wahl, die den ZauberSalon in liebevoller Erinnerung an Henry weiterführen und so Zauberkünstlern aus ganz Deutschland eine wundervolle Plattform, und nebenbei mir die Möglichkeit zum Schreiben dieser Berichte, bieten. DANKE!

Zur Galerie