„Ich persönlich kann auch ohne Lactose intolerant sein.“

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Am 16.01.2018 war Comedy-Mental-Magier Falco Spitz mit seinem noch recht neuen Soloprogramm „Kopfnuss“ zu Gast, in dem er die Zuschauer in einer außergewöhnlichen Mischung aus Zauberei und Vortrag über die Eigenarten gesunder und ungesunder Ernährung aufklärte.

Falco begann seine Show mit einer „schnittigen“ Erklärung über die Abnahme der Hirnleistung im Laufe eines Tages im Zusammenhang mit der Nahrungszufuhr, und darüber, dass das eigentliche Ziel die SPITZenleitung sei. Neben der Ernährung sei ebenso der Aufbau des Gehirns und seiner Nervenbahnen entscheidend.

Beim Frühstück schon scheiden sich die Geister, was die Ernährungsweise angeht. Die wichtigste Mahlzeit des Tages begehe jeder anders. Wie es da um die Zuschauer stand, fand der Künstler mittels eines Würfel mit farbigen Seiten und seiner präzisen Einschätzungsgabe heraus. Blau sei eher der „französische Typ“, weiß frühstücke lieber gar nicht, und dazwischen gäbe es alles, vom süßen Typ bis hin zum heißen/englischen Typ.

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Das Frühstück sei, so erklärte Falco weiter, wichtig, um die „Fesseln der Nacht“ abzuschütteln. Dabei waren die doch so praktisch, um dem Publikum etwas über Zuckerarten zu erklären. Ein Seilring als Monosaccharid, viele, plötzlich ineinander gekettete Seilringe als Polysaccharid. Diese seien, nebenbei gesagt, gesünder, da man länger brauche um sie wieder in ihre Einzelteile zu zerlegen – im Gegensatz zu den Seilring-Ketten.

Eiweiß dagegen sei in jedem Zustand sehr gesund. Wenn jeder in der Lage wäre, aus einer Papierkugel durch schütteln ein echtes Ei zu zaubern, würde die ausreichende Eiweißzufuhr wohl weniger Probleme bereiten. Das Salz dagegen solle man mal schön im Streuer lassen.

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Die richtige oder falsche Ernährungsweise und die damit einhergehende veränderte Hirnleistung beeinflusse auch die Wahrnehmung, was der Mentalmagier eindrucksvoll mit optischen Täuschungen wie der „rubinschen Vase“ oder dem Bild „The Dress“ unter Beweis stellte. Die Uneinigkeit im Publikum darüber, ob sie eine Vase oder zwei Köpfe sähen oder welche Farbe das Kleid hat, gab Falco offenbar recht.

Doch dass sich durch einen einfachen Lichtblitz das Sehen so verändern kann, dass eine Schrift ihre Farbe wechselt, versetzte wohl alle Zuschauer gleichermaßen ins Staunen.

Zu einem gesunden Tag gehöre es auch, genug zu trinken. Sich aber daran immer zu erinnern ist nicht leicht, doch auch dafür bot Falco eine Lösung: Ein Knoten im Taschentuch solle daran erinnern. Ob es dabei von Vorteil ist oder nicht, dass sich der Knoten immer und immer wieder vom Tuch abziehen ließ, sei dahin gestellt. Doch auf jeden Fall gibt es am Ende immer einen Beweis, dass der Knoten im Tuch mal da gewesen war.

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Wem die Ausführungen des Zauberers bis hier zu hoch gewesen war, dem wollte er die Wissenschaft in einer „alltäglichen Form“ nahe bringen. Die These, ob noch Bier im Kühlschrank sei, bildete dabei die Grundlage – man könne sie entweder als Wissenschaftler verfolgen oder als Theologe einfach nur daran glauben. Esoteriker nebenbei glauben auch – aber anders.

Mit einer weiteren optischen Täuschung, die manche Zuschauer dazu brachte, Cocktailwürstchen anstelle ihrer Finger zu sehen, wies Falco auf die Wichtigkeit von Vitaminen hin. Dabei solle man sich aber keine Sorgen machen – wer zuviel davon aufnähme, scheide sie einfach wieder aus. „Früher war der Rhein eine Drecksbrühe, heute ist es Multivitaminsaft!“

Auch beim Schreiben eines Einkaufszettels, und vorallem beim daran denken, ich mitzunehmen, äußere sich die geistige Leistungsfähigkeit. Um das mal etwas anders anzugehen, ließ der Künstler einige Zuschauer einen Einkaufszettel schreiben. Einer von ihnen sollte sich einen der Gegenstände auf dem Zettel merken, den der Mentalmagier dann auf dessen Gedanken lesen konnte. Auch irgendwie Hirnleistung, die aber durch die Frage „Benutze ich das auch?“ und die zögerliche Antwort des Zuschauers für große Erheiterung sorgte.

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„Wenn Uri Geller Löffel verbiegt, frage ich nicht wie – sondern warum“, leitete Falco sein nächstes Kunststück ein. Wenn er übersinnliche Fähigkeiten hätte, würde es ihn nämlich anstatt zu seiner Besteckschublade eher in ein Casino verschlagen. So, wie er die zufällig gewählten Karten aus den Gedanken der Zuschauer präzise las, würde er dort aber vermutlich sehr schnell Hausverbot bekommen.

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Da man sich showtechnisch langsam der Mittagszeit näherte, ging Falco mit einem Zuschauer eine Wette ein: Würde dieser erraten, welche Zahl auf der Rückseite der Tüte geschrieben wäre, würde er die Flasche Bier in der Tüte gewinnen. Die Beeinflussung durch den Comedy-Mental-Magier fruchtete – der Zuschauer verlor, und die Flasche verschwand. Einfach so.

Statt dem Bier widmete sich Falco nun dem Experiment zu seinem ersten Zungenkuss. Beziehungsweise, erklärte er der sprachlosen Zuschauerin, die er nun auf die Bühne bat, damit, dass er sich gut an das Essen nach seinem ersten Zungenkuss erinnern konnte. „Gleiches Gefühl, anderer Geschmack.“ Ob das jedoch der Grund war, aus dem er vermeintlich die Karten in seinem und im Mund der Zuschauerin austauschen konnte, ohne sie zu berühren?

Drogen seien etwas, was die Hirnleistung ungünstig beeinflusse und zu keinem Ziel führe. „Lachflashs am Arbeitsplatz sind ungünstig – als Bestatter oder so.“ Von den Strafen mal abgesehen.

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Die Strafen, einen Geldschein zu verfälschen, lägen bei bis zu zwei Jahren Gefängnisstrafe. Umso ungünstiger, dass der Zuschauer, der Falco seinen Geldschein zum Zaubern lieh, auf diesen Geldschein seinen Namen geschrieben hatte. Als Falco den Geldschein rollte, um damit ein weißes Pulver, Dextrose, wie er versicherte, damit einzuatmen, und der Geldschein daraufhin verschwand, war der beteiligte Zuschauer noch weniger glücklich. Zum Trost wollte der Zauberkünstler ihn an dem Stift riechen lassen, den er wenige Augenblicke zuvor noch zum Schreiben in der Hand gehabt hatte. Doch stattdessen fand der den Geldschein ein einem allzu ungewöhnlichen Ort wieder.

Vor der Pause wies Falco anhand eines Rechenbeispiels zur griechischen Finanzspritze darauf hin, dass richtiges Essen auch am Arbeitsplatz wichtig sei. Um das zu unterstützen, verteilte er im Publikum eine Kiwi und eine Zitrone an zwei zuvor beteiligte Zuschauer.

Nach der Pause bot Falco eine kleinen Ausflug in die Welt der Geldanlage-Möglichkeiten. „Sale“, die Firma, von der er sein neues Sacko hatte, dessen Preis die Zuschauer erstaunlich präszise erraten konnten, oder Aktien von „Kaffee aus Togo“ seien seine Tipps als Mentalist.

Dass Walnüsse die geistige Leistungsfähigkeit ebenfalls steigern, demonstrierte der Zauberer mit Hilfe einer Zuschauerin und eines Kartentricks, den sie mit seiner Hilfe (als Souffleur) vorführen sollte. Mit unecht echtem Mischen, Hexhex und Schnipsen gelang ihr dieser zu ihrer eigenen Überraschung auch ziemlich gut.

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Um spontane Ideen heranreifen zu lassen, sei Kaugummi-Kauen sinnvoll. Um aber dem Verspannen der Kiefermuskulatur zu entgehen, könne man auch Lollis nutzen. Um quasi ein geistiger Superheld zu werden, wie der Mentalmagier unter Beweis stellte.

Ob es auch zu Superheldenfähigkeit gehört, Magnetstreifen von einer Bankkarte abzuknibbeln und mittels eines Zauberfadens wieder dort erscheinen zu lassen?

Nun wollte Falco die Gedanken eines Paares enger miteinander verknüpfen. Dazu las er zunächst aus der Hand der Frau deren Aura und wollte diese präsentieren. Wenn er sich irre, solle die Frau eine auf der Bühne befindliche Glocke läuten, die sich aber als sehr widerspenstig erwies. Nun sollte der Mann zeigen, ob er seiner Frau jeden Wunsch von den Augen ablesen konnte. In seinem Gekritzelt fand sich nicht nur die gesuchte Karte, sondern zufälligerweise auch eine Perlenkette und ein neues Auto.

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Der Geldschein, der in der ersten Hälfte verschwunden war, sollte nun wieder auftauchen. Tat er auch. Wer nun an die Zitrone denkt, liegt knapp daneben. So dachte auch der Zuschauer, der aus einer der Früchte wählen konnte, die vor der Pause im Publikum verteilt worden waren. Er entschied sich glücklicherweise für die richtige und bekam seinen Geldschein wieder. Wie der allerdings darein bekommen war…

Um nochmals seine eigene Hirnleistung zu beweisen, bat der Mentalmagier vier Zuschauer zu sich, von denen jeder ein einfaches Bild zeichnen sollte. Durch völlig zusammenhanglose Fragen, etwa, welcher Filmtitel das eigene Leben beschreibt oder welches Essen man wäre, schaffte es der Zauberkünstler, drei der vier Bilder dem richtigen Zuschauer zuzuordnen. Das vierte war nun kein Problem mehr. Um aber noch einen Schritt weiter zu gehen, wollte er das Bild nachzeichnen, und bekam dafür soviel Zeit, bis der Zuschauer einen Flummi einmal aufspringen ließ und wieder auffing. Nach doch unverhofft langer Zeit traf er das Bild des Zuschauers ziemlich genau.

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Dann plauderte der Zauberer ein wenig aus seiner Vergangenheit: Bevor er Zauberer geworden war, habe er als Hotelfachmann gearbeitet. Aus dieser Zeit gab er seinem Publikum einen Tipp mit, wie man im Restaurant nie wieder übersehen werden könne.

Außer, es handelt sich um ein Dunkelrestaurant, also ein Restaurant, in dem die Gäste gänzlich im Dunkeln essen. Zu einem ähnlichen Erlebnis lud Falco drei Zuschauer ein. Jeder von ihnen sollte sich etwas zu diesem Restaurant vorstellen; die Form der Teller, die Stadt oder den Kellner und dessen Herkunftsland. Diese Informationen konnte der Zauberkünstler den Zuschauern präzise wie von der Stirn ablesen.

Zuletzt bat Falco noch einmal ein Paar zu sich auf die Bühne. Anhand dieses erklärte er die Phasen einer Beziehung, von der Verliebtheit über die Kuschelhormon- bis möglicherweise hin zur Strychninphase. Der Ehering der Frau, den diese in ein Kästchen gelegt hatte, sollte nun mittels einer Zündschnur im leeren Kästchen in der Hand des Mannes wieder erscheinen. „Mentale Teleportation“ nannte der Zauberkünstler den Versuch, der aber leider fehlschlug. Um aber seinen Zuschauer noch einmal zu verdeutlichen, wie entscheidend richtige Ernährung sein kann, tauchte der Ring doch inmitten von Vitaminen, inmitten von Proteinen und letzendlich inmitten von guten Fetten wieder auf.

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So endete Falco Spitzs Show „Kopfnuss“ mit einem tollen Effekt einer der zuvor gezeigten optischen Täuschungen und der Erkenntnis: Egal, wer jemand ist, und was er isst – jeder sieht die Welt anders.

Alles in allem ist „Kopfnuss“ eine runde Show mit vielen tollen Kunststücken, die passend in das Thema des Abend eingebunden sind, einem sympathischen Künstler, dem man gerne glaubt, was er so erzählt und einer Ernährungsberatung der etwas anderen Art. Wer die einzigartige Show des Comedy-Mental-Magiers einmal selbst erleben möchte, sollte hier einmal nach Terminen stöbern: www.brainmagic.de

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