Zaubersalon Wuppertal 2014 02 003Dritter Dienstag im Monat? Nichts wie hin, zum Zaubersalon, mittlerweile eine feste Größe im Bergischen Kunstbetrieb. Wer den Anfang der Show um 20.00 Uhr sitzend erleben möchte, sollte spätestens um 19.00 Uhr da sein. Ich war bereits eine Stunde früher vor Ort, denn es versprach wieder einmal hochkarätig zu werden.
 

Prompt wurde ich als Türsteher verpflichtet und durfte Eintrittskarten verteilen. So soll sichergestellt werden, dass die feuerpolizeiliche Bestimmung, was die maximale Zuschauerzahl angeht, eingehalten wird. Es war sehr interessant, die Hereinströmenden zu studieren. Ein repräsentativer Querschnitt durch alle Bevölkerungsschichten und alle Altersgruppen. Der jüngste dürfte an diesem Abend 10 Jahre alt gewesen sein, die Älteste ist nach eigenen Angaben 92 und fleißige Zaubersalon-Besucherin. Den weiten Weg aus Dortmund scheut sie dafür nicht.

Moderiert wurde der Abend von Gert Haller, besser bekannt unter seinem Pseudonym: GEKI!

Da es ihm von höchster Stelle untersagt war, selbst zu zaubern, beschränkte er sich darauf, das Publikum zu begrüßen und dabei jeden einzelnen Zuschauer namentlich kennenzulernen.

Zaubersalon Wuppertal 2014 02 016Damit dies den zeitlichen Rahmen nicht sprengte, sollten alle Anwesenden, es waren ca. 80 Leute, gleichzeitig laut ihren Vornamen rufen. Es hörte sich an, als sei dem Auditorium schlecht geworden. GEKI ist Profi und vor allem auf dem Gebiet der Kinderzauberei unterwegs. 2005 gewann er einen Preis bei den Deutschen Meisterschaften in der Sparte Kinderzauberei.

Der erste Künstler war Mickey Horn aus Köln. Laut und herausfordernd, in der Art eines Jahrmarkt-Gauklers, griff er Duzende von Münzen aus der Luft und warf sie in einen Sektkühler, wo sie geräuschvoll landeten. Auch aus Ohren und Nasen der Anwesenden brachte er immer wieder glänzende Geldstücke hervor, denn auf den Hut, der gegen Ende der Veranstaltung traditionell die Runde macht, wollte er sich lieber nicht verlassen. Trotzdem war er finanziell abgebrannt, was er bewies, indem er meterhohe Flammen aus seinem Portemonnaie emporschießen ließ. Zaubersalon Wuppertal 2014 02 028Dann zerriss er ein Stück Papier in kleinste Fetzen, während er einen Schüttelreim vortrug, bei dem es einen tatsächlich schüttelte. Sehr geschickt zauberte er es sogleich wieder ganz.

Er präsentierte nun einen großen Umschlag, in dem sich eine Vorhersage verbarg. Eine Dame aus dem Publikum wählte völlig unbeeinflusst eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens, nämlich „Mutter Merkel“. Zur großen Erheiterung der Zuschauer befand sich tatsächlich eine Zeichnung der Bundeskanzlerin in dem Umschlag; allerdings im zarten Alter von sechs Monaten. Trotzdem, die spätere Machthaberin war deutlich erkennbar. Seinen Paradetrick, die wandernden und sich vermehrenden Flaschen, zeigte er auf wirklich originelle Weise. Obwohl farblich mit Tüchern gekennzeichnet, wechselten sie mehrfach die Plätze, um sich dann zu verdoppeln, zu vervierfachen. Zu guter letzt erschien auch noch ein gefülltes Bierglas, sowie ein Glas Rotwein.

Das nun folgende unterhaltsame Buchstabierspiel, bei dem er vier Damen gegen vier Herren antreten und aus großen Buchstabenkarten vorgegebene Wörter bilden ließ, wäre eigentlich gar nicht mehr nötig gewesen. Längst schon hatte er die Leute auf seiner Seite. Seine Karriere als Profizauberer begann vor 15 Jahren.

Zaubersalon Wuppertal 2014 02 062Der zweite Künstler des Abends war Hans Dillenberg, der einzige Wuppertaler im Programm. Er bezauberte das Publikum mit mentalen Effekten. Zunächst erriet er Kreditkartennummern, bzw. Geheimnummern, die freundlicherweise von zwei Zuschauerinnen preisgegeben wurden. Bleibt zu hoffen, dass sie nach der Show geändert worden sind; man weiß ja nie…!

Man nahm Hans Dillenberg diese Fähigkeit ohne weiteres ab, denn während seiner gesamten Darbietung blieb er konsequent in der Rolle des scharf beobachtenden Menscheinkenners, der durch Erfahrung und eine große Portion Intuition erstaunliche Dinge zustande bringt. Auch kommentiert er stets wohlwollend die Entscheidungen seiner Mitspieler, niemals scheinen sie etwas Dummes oder Unpassendes sagen zu können, nie müssen sie das Gefühl haben, zu versagen, denn Hans Dillenberg nutzt freundlich jede Kleinigkeit, um das Publikum zu einem Großen Ganzen werden zu lassen.

Thorben, aus der ersten Reihe, der sich bereits als Eleve der Magischen Kunst zu erkennen gegeben hatte, wählte nun aus mehreren Büchern den Roman eines südamerikanischen Dichters aus. Nachdem sich mehrere Zuschauer auf eine bestimmte Seite aus diesem Werk geeinigt hatten, es umfasst mehrere hundert, las der junge Helfer, nur in Gedanken, den ersten Satz auf dieser Seite. Der Gedächtniskünstler blickte nun tief in sein Inneres und formte langsam die Worte: „Ich begehre Macht.“ Hier kommt zu dem an sich schon erstaunlichen Hellsehen noch die Tatsache hinzu, dass der ausgewählte Satz zu Thorben passte, und zwar wie die berühmte Faust aufs Auge.

Sein Zaubersalon Wuppertal 2014 02 082Schlusstrick war eine seht unterhaltsame Variante des Magischen Quadrats. Auch hier verstand er es wieder ausgezeichnet, den Bezug zu den Zuschauern herzustellen, indem er deren vorangegangene Äußerungen aufgriff. In nur knapp 30 Sekunden gelang es ihm, eine äußerst komplizierte Rechenoperation durchzuführen, an deren Ende die bestimmte Zahl, nämlich 45, sich als Summe sämtlicher horizontaler, vertikaler und diagonaler Reihen des Zahlenquadrats darstellte. Damit aber nicht genug. Auch die Ecken, die Einzelquadrate, die sich gegenüber liegenden Zahlen und was nicht noch alles, ergaben 45. Toll!

Zaubersalon Wuppertal 2014 02 085Der letzte Magier des Abends war Peter Helten, ebenfalls aus dem Kölner Raum, wo er eine eigene Zauberschule leitet. Dieser Mann ist unbeschreiblich, man muss ihn gesehen haben.

Im Grunde zeigte er nur drei Kunststücke, nämlich das Verschwinden eines kleinen gelben Seidentuches, das in der Jacke einer jungen Zauberschülerin, sowie aus diversen imaginären Löchern wieder auftauchte, die gleichlangen ungleichen Seile, die mehrmals schrumpfen und wieder länger werden, sowie das klassische Ringspiel. Trotzdem unterhielt er wohl an die 40 Minuten das Publikum auf das Allerbeste. Da blieb wirklich kein Auge trocken und die meisten der zahlreichen Zuschauer brüllten vor Lachen.

Der Wuppertaler Zauber-Altmeister, Astor, pflegte oft zu sagen: „Was in der Zauberei das Wichtigste ist, das steht in keinem Zauberbuch geschrieben.“ Diese Worte kamen mir wieder ins Gedächtnis, als ich Peter Helten agieren sah. Wie will man auch aus Büchern lernen, zu jedem erdenklichen Thema spontan einen Einfall zu haben, aus dem man dann eine witzige Geschichte spinnt, das aktuelle Zeitgeschehen mit einfließen lässt und gleichzeitig Wissen versprüht? Zaubersalon Wuppertal 2014 02 116Ob Finanzwesen, Bildungspolitik, Prominentenskandale oder 70er Jahre-Musik – Er gibt seinen intelligenten Senf dazu. „Aus der Tasche geplaudert“, so der Titel seines Programms.

Duzende Male sprach Helten an diesem Abend darüber, was man besser nicht sagen sollte und sagte es gerade dadurch umso eindringlicher. Aber niemand ist ihm böse. Er darf das. Andere wären zumindest vor das Schiedsgericht des Magischen Zirkels geschleift worden, Peter Helten jedoch durchbricht die Schmerzgrenze auf das Angenehmste. Jede seiner Vorstellungen ist anders, denn er baut seine Nummer auf dem auf, was seine Zuschauer ihm erzählen. Die vorderen drei Reihen machen sowieso beim Programm mit, aber auch die, die sich weiter hinten versteckt haben, sind nicht unbedingt sicher vor ihm und seinem Adlerblick. Zaubersalon Wuppertal 2014 02 138

Ganz nebenbei und ohne jede Kraftanstrengung weiß er nach der Show auch die Namen sämtlicher Zuschauerhelfer, ohne dem freilich irgendeine Bedeutung beizumessen. 

Unter tosendem Beifall beendete Peter Helten schließlich sein Programm.

Ganze drei Mal wurden er, Micki Horn, Hans Dillenberg und GEKI beim anschließenden Finale zurück auf die Bühne geklatscht. Gibt es einen besseren Beweis für einen gelungenen Abend?

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