IMG 4371IMG 4377Den 54. Zaubersalon in Wuppertal gestalteten zwei Magier aus Bielefeld. Auch wenn hier nicht geklärt werden kann, ob es diese Stadt nun gibt, oder nicht, Lutz und Charlz gibt es, und sie hinterliessen bleibenden Eindruck.

Vor der Haupt-Show war Close-up-Zauberei in de Bar angesagt. Hans Dillenberg begeisterte Frühankömmlinge mit kleinen Wundern, hautnah.

Pünktlich um 20.00 Uhr ging es los. Falsche, viel zu laute Musik. Stimmengewirr, dann erstürmen die Künstler die Bühne von vorne, durch den Zuschauerraum.

Der eine im feinen Anzug; schnieke. Im Alltag Versicherungsvrtreter, könnte man vermuten. Er setzt sich zu uns an den Tisch und fängt sofort an zu flirten. Der andere skuril gekleidet, zeitlos schrullig mit Zylinder und weitem Hemd. Sie stellen sich vor, feixen ein wenig über ihre ostwestfälische Heimat und zeigen gemeinsam Exit. Dann verschwindet Charlz erst einmal wieder, aber so ganz weg ist er nie, bleibt immer irgendwie präsent.

Den ersten Teil gestaltet jedenfalls Lutz. Und zwar schlüpft er in die Rolle des schlechten Entertainers.

Überzogen, schrill, manchmal etwas derbe, zum Zwecke der Überzeichnung.

Ja, genau solche Leute gibt es! Auf schlechten Sendern. Aber hier kann man nicht umschalten… „Ich höre etwas schlecht. Helfen Sie einem Taubenzauberer.“

Talerfang, Kartenreissen, Göffel und verschwindende Flasche.IMG 4485

IMG 4417Luz Ermshaus zeigt Unterhaltungsmagie mit Riesenballon und Laubbläser. versinkt fast völlig in dem Luftballon, nur um eine Spielkarte mit dem Mund heraus zu fischen. Wird er wohl ersticken?

Wehe dem, den er zu seinem Gehilfen auserkoren hat…

Gsnz anders macht es Charlz im dritten Teil. Mit Geschichten erzählender Magie, besinnlich, nachdenklich, träumerisch, skuril, führt er das Publikum in die dunkle Anderswelt.

Das Puzzle des Lebens. Gemälde, auf denen vor Urzeiten Spielkarten vorhergesagt wurden, Schachteln, bei denen nicht nur die kleinere in die grössere passt, sondern auch umgekehrt. Oft sind es Tarotkarten, die er zur Belebung seiner Geschichten aus uralter Zeit verwendet.

Und wenn er sagt: „Ich wünsche Ihnen ewiges Leben.“ Kurzes, nachdenkliches Innehalten. „Nein, das wünsche ich Ihnen nicht!“, spürt man, dass er es gut mit einem meint.

Bizzarre Musik bildet den passenden Rahmen.

Ein Kontrast also, wie er grösser nicht sein könnte.

Umso interessanter war daher für mich der MittelteIMG 4587il des Programms. Hier versIMG 4604chmolzen die Charaktere und bildeten etwas völlig Neues.

Klamauk verbandt sich ganz wundervoll mit Mentalmagie zu einer erstaunlich harmonischen Einheit.

Gezaubert wurde mit Riesenkarten, einer Spieluhr, Sternzeichen, sowie schwebendem Tisch und Hindufaden, immer unter starker Einbindung des Publikums. Man assistierte sich gegenseitig. Plötzlich war gar nicht mehr klar, wer der Clown ist und wer der Nachdenkliche.

Als nach über zwei Stunden die beiden Künstler ihren wohlverdienten stürmischen Schlussapplaus entgegen nahmen, war jedem im Zuschauerraum klar:

Die zwei sind Freunde. Nicht nur auf der Bühne.   

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