IMG 6380Trotz des Fußballländerspiels haben sich wieder etliche Zuschauer am Abend des Zaubersalons in der Börse versammelt. Sie konnten einen kurzweiligen Abend erleben, der diesmal von den Freunden des Nachbarzirkels aus Lüdenscheid gestaltet wurde. HENRY WAHL freute sich, sie wieder einmal in Wuppertal begrüßen zu können und erinnerte auch noch an Treffen, bei denen neben der Zauberei auch das ostfriesische Spiel "bosseln" auf der Tagesordnung stand. Nach der kurzen Begrüßung der Gäste übergab er das Mikrofon an den Moderator des Abends, ARND CLEVER.. Der zeigte zunächst, dass er auch das Metier des Zauberkünstlers beherrscht, indem er aus einzelnen Papierschnitzen  eine ganze Zeitung herstellte.

IMG 6421THORSTEN ROSENTHAL demonstrierte dann, dass sich eine massive Glasplatte mit ein wenig Zauberei auch von einem leuchtenden Stab durchdringen ließ und trotzdem unversehrt blieb. Einer Zuschauerin, die durch ihren günstigen Sitzplatz an diesem Abend noch einige Male als Stellvertreterin der übrigen Zuschauer herhalten musste, wurde mehrmals davon überzeugt, dass der Tastsinn etwas andere erfühlte, als dann später in der sonst leeren Kiste zu sehen war, was natürlich alle zum Schmunzeln oder sogar zum Lachen brachte.

IMG 6490Lustig blieb es dann auch bei JÜRGEN KELLNER, der zunächst mit einfachen Gegenständen(sprich: einem Luftballon) seine Fähigkeiten als geschickter Bauchredner unter Beweis stellte. Anschließend zeigte Jürgen dann einen herrlichen Dialog mit einer Puppe, die dabei auch noch über zauberische Fähigkeiten verfügte und richtig vorhersagte, mit welchen Schlüssel sich ein Vorhängeschloss denn  nun öffnen ließ.

Für einen weiteren Leckerbissen sorgte MAGIC  SCHORSCH, der, unterstützt von einem Halbplayback, auf der "Trick-Gitarre" noch einmal die Instrumentalhits längst vergangener Zeiten aufleben ließ.

IMG 6628ARND CLEVER führte u.a. den schnellsten und gefährlichsten Kartentrick der Welt vor, bevor er noch einmal JÜRGEN und Co ankündigte, der einen Dialog mit einer weiteren
großen Puppe führte, die Ähnlichkeit mit Guildo Horn hatte

IMG 6727MAGIC SCHORSCH bewies auch bei seinem zweiten Auftritt seine Fähigkeiten bzw. Fingerfertigkeit mit der Gitarre und konnte so auch zum ersten Mal einen speziellen Zuhörerwunsch erfüllen.

THORSTEN ROSENTHAL konnte sogar Münzen unsichtbar durch die Luft von einem Glas in ein anderes wandern lassen. Mit Hilfe einer Schere schnitt er aus buntem Papier zwei Formen, die in einander hingen. Eine Illusion,  bei der der Arm des Vorführenden allem Anschein nach mehrfach durchteilt wurde, beendete das Programm des kurzweiligen Abends im Zaubersalon.IMG 6825

 

 

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Donatus 1Spätestens wenn er zur Gitarre greift, um seine selbst getexteten Lieder anzustimmen, erkennt man den Träumer. Der Mann, der dort vor uns auf der Bühne steht, heißt Donatus Weinert, ist 57 Jahre alt und Zauberkünstler. Fast genau auf den Tag, vor zehn Jahren, hat ein Unbekannter ihm einen Stein geschenkt. „Träume“ stand darauf. Das war damals der Auslöser, der „Stein des Anstoßes“ sozusagen; er fasste den Entschluss, Profi-Zauberer zu werden.

Dem Unbekannten sind wir zu Dank verpflichtet, denn Donatus stellt eine Bereicherung für die Kunst der amüsanten Täuschung dar.

Donatus 2Hier, in Wuppertal, wo er heute sein Bühnenjubiläum begeht, hat alles angefangen. Kontakt zum Magischen Zirkel hatte er schon länger. Anfänglich verstand er sich noch als Musiker, der auch ein wenig zaubert, aber das ist heute nicht mehr so, der Schwerpunkt seines Soloprogramms, „Hinter`s Licht geführt, Garantiert schwindelfrei“ liegt eindeutig bei der Zauberei. Drei Songs sind es, mit denen er Stimmung erzeugt, hält und vertieft. Immer mit von der Partie: sein roter Knopf, ein Markenzeichen des Remscheiders, der seit einem Jahr stellvertretender Vorsitzender des Wuppertaler Zauber-Zirkels ist.

Wohltuend anders, als die Rampensäue, die sonst die magische Szene bevölkern, geht dieser Künstler mit seinem Publikum um. Man nimmt ihm ab, dass er sich wirklich über jeden einzelnen Zuschauer freut, der den Weg zu ihm gefunden hat, und das sind an diesem ‚Abend nicht wenige.

Vor allem die anwesenden Kinder liegen ihm am Herzen. Er lädt sie zu sich auf die Bühne ein und spielt mit ihnen, wobei er ihnen, wie beiläufig, rote Bälle hinter den Ohren hervorzaubert, wandern lässt, um sie schließlich zu einer sprudelnden Fontäne zu vermehren.

Donatus 3In bunten Luftballons kann er unterschriebene Spielkarten, aber auch Handys erscheinen lassen. Egal, ob er zerschnittene Seile wieder ganz zaubert, oder Tücher aus dem Nichts hervorholt, immer ist seine Kunst von phantasievollen Geschichten untermalt.

Bevor er die Leute mit einem seiner Lieder, „Magie ist Musik für die Augen“, in die Pause entlässt, manipuliert er einen jungen Mann so, dass dieser sich genau für die Prominente entscheidet, die er vorhergesagt hat. Angela Merkel, im zarten Alter von sechs Monaten.

Er ist ein Mann der leisen Töne, der uns ohne Tamtam, oft sogar im Flüsterton in die Welt der Wunder entführt. Großen Wert legt er dabei auf sein Equipment. Einfach, aber von höchster Qualität, ist die Bühnenausstattung, denn die Ohren des gelernten Klavierstimmers sind empfindlich und dulden keinen Pfusch. Viel Zeit nimmt er sich vor seinem Auftritt für den Soundcheck, und auch die Ausleuchtung wird nicht dem Zufall überlassen.

Donatus 4Die Klassiker der Zauberei haben es ihm angetan. Im zweiten Teil seines Programms zaubert er mit bekannten Requisiten, wie dem guten alten „Eierbeutel“ und den drei Seilen, die mal lang, mal kurz, mal noch länger werden. Ein Geldschein verschwindet und erscheint in einem Umschlag wieder, auf dem die ganze Zeit jemand gesessen hat. Dass es tatsächlich derselbe Schein ist, beweist die zuvor notierte Seriennummer. Gedanken werden auch erraten. Hierzu erbittet sich Donatus die Hilfe eines Erwachsenen.

Donatus 5Noch bevor die letzten Töne seines Abschiedsliedes verklungen sind, ist jedem im Saal klar: Donatus wird um eine Zugabe nicht herum kommen. Und welcher Künstler gibt die nicht gerne. Jedes der anwesenden Kinder ist begeistert bereit, dem Zauberer zu assistieren. Durchaus keine Selbstverständlichkeit, wie jeder weiß, der schon einmal vor einem Kinderpublikum stand. Als eine nicht enden wollende Papierschlange aus dem Mund des Magiers hervorsprudelt, hält die Zuschauer nichts mehr auf ihren Stühlen. Eine wahrhaft gelungene Jubiläumsshow und schon der 71. Zaubersalon.

 

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IMG 5659Der 70, Zaubersalon wurde wieder einmal von den  Mitgliedern des Ortszirkel Wuppertals gestaltet. Diesmal sollte es etwas Außergewöhnliches sein, Zu diesem runden Jubiläum wollten möglichst viele Mitglieder des Ortzirkels teilnehmen. Was also tun?

Moderne Kommunikation wurde von den Mitgliedern eingesetzt, Ideen wurden per e-mail ausgetauscht, gesammelt, teilweise verworfen, bei den Sitzungen des Ortzirkels mussten die heißgelaufenen Gedanken auch von kalten Getränken abgekühlt werden. Alle Mitglieder waren gefordert: alte Hasen ebenso wie Neuanwärter.

IMG 5690Nach einiger Zeit kristallisierte sich ein geeignetes Thema heraus: Was passiert, wenn man den Nachlass eines Zauberkünstlers in Augenschein nimmt.
Dann, nach und nach, kamen immer wieder neue Ideen hinzu und wurden umgesetzt . Der Name des angeblich Verstorbenen wurde "erfunden", indem man einfach an einen Vornahmen ein "ini" anhängte. Diese Mode gab es in Zaubererkreisen Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte lang. Für einen "richtig deutschen" Verein sind natürlich auch eine Fahne und eine Ordnungsglocke erforderlich. Die Gegenstände wurden ebenso beschafft wie eine passende Musik, die den Geist einer längst vergangenen Zeit wieder hervorrief, in der der Zauberkünstler "Hubertini" ja sicher seine größten Erfolge hatte.

IMG 5722Der Rahmen war also vorgegeben, und so konnte alles seinen Verlauf nehmen. Der Ortszirkelleiter, REINER WALTER, schleppte zu Beginn der Vorstellung einige große Kartons auf die Bühne und verkündete dem ersten Klubmitglied, dass Hubertini verstorben sei. Nach und nach trudelten die anderen Vereinskameraden ein, erfuhren die Neuigkeit und rätselten über mögliche Todesursachen. Die ziemlich absurden Vermutungen wurden aber bald schon abgetan, als man hören mußte, dass Hubertini ja 97 Jahre alt geworden sei.

Nach einer Schweigeminute machte man sich über den Nachlass her. REINER WALTER zeigte Hubertinis Lieblingstrick, bei dem ein goldener Würfel sichtbar oder unsichtbar verschwinden konnte, natürlich mit einem Gerät, welches mit der in den Siebziger Jahren ach so beliebten Glimmerfolie beklebt war.

IMG 5765HANS DILLENBERGs Wunderstab glitzerte aus dem gleichen Grund sehr silbrig und funktionierte aber auf eine Weise, die selbst für den Demonstrator unerklärt blieb.

FRANK MOLL fand in der großen Nachlasskiste ein großes Kartenspiel und eine kleine Bühne mit der das Verschwinden einer der großen Spielkarten vorgeführt werden konnte; das geschah aber ganz anders als die Zuschauer vermuteten.

IMG 5785DONATUS entdeckte  drei Seile, mit denen er noch einmal die Seilkapriolen vorführen konnte, die er einmal mit Hubertini einstudiert hatte. Ja, gekonnt ist gekonnt!

IMG 5822GUNTER GLASER konnte noch mal das Seil zeigen, das Hubertini vom größten Entfesselungskünstler aller Zeiten, Harry Houdini, erhalten hatte. Trotz des kräftigen Fesselns durch zwei muskulöse Männer aus dem Publikum gelang ihm die Befreiung in Windeseile.

Nach der Pause ließ REINER WALTER ein Geburtstagskind mit einem dreifachen SIMSALA - BIM hochleben und verkündete das neue Ehrenmitglied des Wuppertaler Ortszirkels: HENRY 14438987 1194528227300805 433061534 oWAHL, der nicht nur wiederholt Leiter des Ortszirkels war, sondern auch die Idee des Zaubersalons nach Wuppertal gebracht hatte und für dessen Planung und Durchführung immer verantwortlich war. Da dieser aber aus sehr persönlichen Gründen verhindert war, nahm seine Gattin, GUNHILDE WAHL, die Ernennungsurkunde in Empfang.

Für den entschuldigten KONI sprang REINER WALTER ein mit dem Vorzeigen der sich immer wieder verändernden Spielkarte.

IMG 5898HANS DILLENBERG entdeckte in dem Fundus ein lange nicht gesehenes Gerät aus vergangenen Zeiten: eine Kühlbox, in der sich Milch in Trockenmilch verwandelte und schließlich ganz verschwand.

DAG KLEFFMANN holte den großen Becher hervor, mit dem Hubertini immer das Hütchenspiel vorgeführt hatte. Das zeigte DAG das mit dem IMG 5951gekennzeichneten Geldschein eines Zuschauers, der dann nie da war, wo man ihn vermutete. Schließlich tauchte er sogar mitten in einer Zitrone auf, aus der sie der Gast eigenhändig herausschneiden konnte.

IMG 6010ATTILA konnte mit den sechs Metallringen noch einmal wahre Wunder vollbringen, mit denen schon Hubertini immer geglänzt hatte. Auch ATTILAS Interpretation war elegant und geschliffen.

Nicht ganz so alt als das Spiel mit den Ringen aber auch aus vergangenen Jahrhunderten ist IMG 6043der Spiegel mit dem WERNER PRIX noch einmal die Leute verzücken konnte, weil dort Rosen erschienen, blühten und verwelkten.
Der plötzliche Black-out ließ die Besucher der Veranstaltung mit einem Lächeln auf den Lippen  den Heimweg antreten lassen.

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IMG 5152Der Wuppertaler Zaubersalon bot am Dienstag seinen Gästen ein ganz besonderes Erlebnis: Zum ersten Mal konnte man eine Vorstellung im Hof der Börse erleben. Hier gab es auf ideal ansteigendem Gelände Stuhlreihen, so dass man von jeder Stelle einen hervorragenden Blick auf das Bühnengeschehen hatte, das durch Scheinwerfer ausgeleuchtet wurde. Die Mitarbeiter der Börse sorgten auch dafür, dass niemand plötzlich verhungern oder verdursten musste.

Frank MOLL begrüßte die Anwesenden, die bei dem schönen Wetter den Weg in die Börse nicht gescheut hatten, und eröffnete das Geschehen.


IMG 5164Die Show des DOCTOR MARRAX stellte eine lange übliche Darbietung wieder ins Rampenlicht, die etwa vom 14. bis 19.Jahrhundert als Quacksalberinszenierung üblich war. Reisende Ärzte oder Apotheker lockten mit scheinbaren Wundern Zuschauer an, um sie von den besonderen Heilkräften der von ihnen vertriebenen Heilmittel zu überzeugen. In Amerika wurden diese Auftritte später Medicine Show genannt. Zu diese Zeit gab es auch noch keine Unterhaltungsmedien, so dass man über jede Art der Abwechslung im täglichen Einerlei hoch erfreut war.

IMG 5184Und in dieser Tradition begrüße der vollbärtige MARRAX sein Publikum in Gehrock, Weste und Zylinder und zeigte sein MARRAX O-FAX als angebliches Wundermittel mit dem alles erst möglich wurde. Vom Seil über Bindfäden bis hin zu Garnen(vielleicht auch bis zu Haarspaltereien?), überall nur gehörig MARRAX O-FAX draufgegeben, und schon passierten die tollsten Wunder!

Alles wurde von DR. MARRAX mit böhmischem Akzent erläutert, was natürlich viele Zuschauer belustigte. Kinder wurden von ihm wie Erwachsene behandelt und wie selbstverständlich mit "Sie" angeredet.

IMG 5332Die Zeit verging wie im Fluge, und immer wieder ging ein Schmunzeln über die Gesichter der Zuschauer. Immer wieder wurden andere Unmöglichkeiten vorgestellt. Karten wanderten, eine Würfelpyramide stellte sich wiederholt auf den Kopf, ein Tuch erschien wieder zwischen zwei andersfarbigen Tüchern, die vorher gut sichtbar in einem Glas platziert worden waren, Wasser aus der Wupper, dem Bodensee(durch das man den Boden sah) und Schwarzwälder Kirschwasser vereinten sich in einer großen Schüssel und widerstanden sogar der Gravitation. Zauberhafte Exponate wie der arktische Fisch im Pelz und der original bayrische Wolpertinger wurden gezeigt.

IMG 5392Bei DOCTOR MARRAX konnte das Publikum hautnah noch einige Gaukeleien erleben, die schon vor mehreren hundert Jahren alle Zuschauer faszinierten, etwa das Durchbohren der Nase und das Durchziehen eines Fadens durch dieselbe oder die Vereinigung von kleinen Gegenständen, die zuvor in Augen, Ohren und Nase gesteckt wurden im Mund. So etwas taucht heutzutage bei amerikanischen Fernsehzauberern in abgewandelter Form auf, hat also nie an seiner verblüffenden Wirkung verloren. Ein Nagel, der mit einem Hammer in die Nase getrieben wurde, musste mit einer Kneifzange entfernt werden.
IMG 5449Neueren Ursprungs ist sicher das Erscheinen und Verschwinden von Löchern auf zwei Bogen Papier, aber ebenso unerklärlich.
 

Mit MARRAX O-FAX ließen sich auch Gedanken übertragen und es gelang, Sieger bei einem Glückspiel zu werden, bei dem damit alle Karten in "Gewinner"Karten verwandelt wIMG 5612urden.

Als MARRAX dann noch einen Trick mit Tuch und Ei erklärte, war in der Zwischenzeit schon der fast volle Mond aufgegangen und beleuchtete das Areal der Börse. Die Zuschauer hatten wieder einmal einen zauberhaften Abend an der Wolkenburg verbracht. Vielen Dank an DOCTOR MARRAX, der uns wunderbar unterhielt.

 

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Zaubersalon Wuppertal Juli 2016 – Persönliche Eindrücke

IMG 476419. Juli 2016. Hochsommerliche Außentemperatur über 30 Grad. Was gibt es dann Schöneres, als mit einem kühlen Bier auf dem schattigen Balkon den lauen Sommerabend zu genießen. Diese Idylle sollte mir jedoch nicht vergönnt sein, hatte ich doch versprochen, den Wuppertaler Zaubersalon im Kulturzentrum „Börse“ im Zentrum Wuppertals zu besuchen.

Entgegen meiner Erwartungen hatten auch andere die Idee, den Abend nicht bei Grillwurst und kaltem Bier, stattdessen in einem unklimatisierten Theatersaal zu verbringen. Tatsächlich war der „rote Saal“ der „Börse“ an diesem Sommerabend bis auf den letzten Platz gefüllt. Zwar ertappte ich mich manches Mal bei dem Gedanken, ein Fichtennadelaufguss im Saal wäre jetzt angemessen. Andererseits ließ mir das zauberhafte Geschehen auf der Bühne nicht viel Raum für derlei Gedankenspiele.

IMG 4769Der Gastgeber des Zauberabends, Arnd Clever eröffnete das Sommernachtsprogramm. Er verstand es im Handumdrehen, mit seiner natürlich lockeren Art das Publikum für sich zu gewinnen. Aber er beschränkte sich nicht nur auf die Ansage seiner beiden Mitzauberer. Denn mit seinen gewitzten Zaubereien ließ er das Publikum die Hitze im Saal schnell vergessen. Und das war bei gefühlten Temperaturen von 40 Grad im Saal eine bravuröse Leistung!

Er startete seinen zauberhaften Part mit einem Hinweisschild, bei dem die Pfeile, die die Richtung zu den Notausgängen markieren ständig hin- und her sprangen, mal nach rechts, dann nach links, nach oben, nach unten weisend. Drehte sich nach diesem rasanten Trick mein Kopf bereits verwirrt, präsentierte Clever bereits eine 1,5 Liter Cola-Flasche, die er mit Hilfe zweier einfacher Röhren in voller Sicht zusammendrückte. Übrig blieb eine Coladose, die große Flasche war spurlos verschwunden. Im Ärmel wird der Trümmer von Flasche ja nicht verschwunden sein…

IMG 4808Mich von meiner Verblüffung zu erholen war mir indes nicht gegönnt. Denn Tim Rambeau aus dem Siegerland betrat die Bühne und ließ leichthändisch und wie ganz nebenbei ein großes Handmikrophon in einer Papiertüte verschwinden. Zum Nachdenken bleib auch jetzt keine Zeit, denn ohne große Unterbrechung überreichte er einer Zuschauerin ein Buch. Er bat sie, in dem ausgehändigten Kriminalroman eine Seite, einen Absatz und eine Zeile sowie darin ein beliebiges Wort auszuwählen. Dass Rambeau dieses erriet, war zum Gaudium des Publikums dann doch keine Hexerei. Denn als er Rücken an Rücken zur Zuschauerin stand, suchte er geschwind das gewählte Wort aus einem Duplikat des gleichen Kriminalromans heraus, das er heimlich aus seiner Jackentasche gezogen hatte. Umso größer war unser Erstaunen, als er zeigte, dass das Duplikatbuch, in der er Sekunden vorher noch gelesen hatte überhaupt keinen Text enthielt. Stattdessen nur leere weiße Seiten! Anschließend brachte er eine komische Variante des berühmten Ballonbiegens, wie man es von Straßenfesten her kennt und die Wanderung von zwei Spielkarten, die ein Zuschauer die ganze Zeit über fest in seinen Händen hielt.

Sofort enterte Arndt Clever wieder die Bühne und brachte die Zuschauer mit einem Rap-Gesang auf „Betriebstemperatur“, bevor er zu einem umgetexteten Werbeliedchen einen Trick mit einem langen Seil zeigte, das er mehrfach durchschnitt, die Enden zusammenknotete und sich das Seil, nachdem die Knoten in hohen Bögen vom Seil herab flogen, wieder unversehrt wie zu Beginn präsentierte. Ich schwankte zwischen Staunen und Lachen und war begeistert.

IMG 4860An einen Gedanken an das „Wie“ dieses Tricks, der sich vor unseren Augen dargeboten hatte war nicht zu denken, denn mit Maik Brzozka trat ein wahrer Zauberprofi aus dem tiefsten Ruhrgebiet auf die Bühne. Nach schwungvollen Einleitungsworten holte er, wie selbstverständlich – einen bestimmt 2 Meter langen Trinkhalm aus einer gewöhnlichen Papiertüte aus dem Schnellimbiss, um danach nicht nur Cola, sondern auch noch Fanta aus der Papiertüte ein Glas zu schütten. Während ich noch über das Gesehene nachgrübelte, hatte der Hexer aus Herten bereits einen Zuschauer auf die Bühne gebeten, der ihm bei seinem nächsten Trick helfen sollte. Der Zuschauer sollte aus mehreren Karten, auf denen Getränke aufgeschrieben waren eine Karte ziehen. Wie groß war die Erheiterung beim Rest des Publikums, als wir „rein zufällig“ sahen, dass Brzozka ausschließlich Karten mit der Beschriftung „Coca Cola“ in der Hand hielt. Der Zuschauer hatte tatsächlich also gar keine Wahl, als eine Karte mit „Coca Cola“ zu wählen! Und so präsentierte Brzozka, angetan mit Coca Cola Mütze und –Fähnchen seine Vorhersage: Eine Coca Cola Dose. Dass der Zuschauer eine Karte mit der Aufschrift „Milch“ gezogen hatte, ließ allen, auch Brzozka, die Münder offen stehen. Aber ein Zauberer weiß sich offensichtlich stets zu helfen: So goss Brzozka Mich aus der Dose, aus der Sekunden vorher noch Cola geflossen war. Mit einem Gag über das Zerschneiden und wieder Zusammenfügen eines Seiles und über das Gedankenlesen, in dem eine gezogene Spielkarte erraten wird, schloss Brzozka seine sehr humorvolle Darbietung.

IMG 4951Arnd Clever klärte das Publikum darüber auf, dass Zauberkunst tatsächlich nur auf Ablenkung beruhe. Und demonstrierte dieses gleich mit einem Stift und einem Ball, die ständig in seinen Händen erschienen und wieder verschwanden. Als sich schließlich seine Krawatte in einen andersfarbigen Schlips verwandelt hatte, ohne dass es einer von uns Zuschauern bemerkt hätte, war der Applaus groß. Und das war der richtige Zeitpunkt, in die wohlverdiente Pause zu gehen und uns zu erfrischen. Denn nach den Mengen von Cola-Flaschen, Dosen und sonstigen Flüssigkeiten, die uns im ersten Teil präsentiert worden waren, tat die Einnahme von Getränken bei den herrschenden tropischen Bedingungen jetzt sehr gut!

Den zweiten Teil eröffnete Clever mit einer gefühlvollen gesungenen Ballade, bei der unglücklicherweise ein Band aus seinem Ärmel glitt, dass aber länger und länger wurde, je mehr er daran zog. Schließlich entdeckte er das andere Ende des Bandes in seinem linken Hosenbein, das immer länger wurde, nur um später in seinem rechten Hosenbein wieder aufzutauchen. Es war schier zum Verzweifeln und dabei urkomisch. Als zum Schluss endlich seine Krawatte am Bandende aufgeknotet erschien, war das Eis für die zweite Hälfte des Programmes endgültig gebrochen und an die hohen Temperaturen im Theatersaal dachte längst niemand mehr.

IMG 5015Tim Rambeaud zauberte bei seinem zweiten Auftritt an diesem Abend mit Seilen und Tüchern. So wurden mit Pistolen, deren Läufe sich in bunte Tücher verwandelten, Knoten von Seilen geschossen, schlang sich ein Seil von selbst um eine Spielkarte, die zuvor aus einem gemischten Kartenspiel von einer Zuschauerin gezogen wurde und wanderte ein Tuch in eine vormals leere Röhre, nachdem Rambeau dieses zuvor aus einem Klingelbeutel hat verschwinden lassen.

Anschließend leitete Arnd Clever mit einem Zwischenspiel mit einer Flasche, die sich ständig in einer engen Röhre mit dem Flaschenboden nach unten drehte, obwohl sich die gleiche Flasche bei einer Zuschauerin, die dem Geschehen auf der Bühne synchron folgte, stets gemäß den geltenden Naturgesetzten verhielt, zu Maik Brzozka über.

IMG 5064Brzozka hatte zwei Bücher mitgebracht: „Was Frauen über Männer wissen“, ein engbedrucktes, umfangreiches Buch, das er einer Zuschauerin überreichte. Das zweite Buch „Was Männer über Frauen wissen“ enthielt nur – leere Seiten! Dieses übergab Brzozka einem Zuschauer. Und obwohl beide Zuschauer die Bücher fest in den Händen hielten und Brzozka absolut keine Gelegenheit mehr hatte, irgendetwas an den Büchern zu manipulieren, verschwand eine Seite, die die Zuschauerin irgendwo in ihrem Buch ausgewählt hatte, auf einmal aus ihrem Buch. In dem Buch des helfenden Zuschauers hingegen tauchte eine bedruckte Seite auf: Die Seite, die die Zuschauerin vorher gewählt hatte und die aus ihrem Buch verschwunden war. Bei einem lustigen Raten, welche von vier Coladosen vorher geschüttelt worden war, blieb kein Auge trocken. Und auch der Bühnenboden nicht…

IMG 5133Der Abend war wie im Flug vergangen. Beim abschließenden Finale, bei dem überdimensionale Abbilder einer vorher gewählten Spielkarten auf den Rücken der Ausführenden erschienen, spendete das Publikum ausgiebig Applaus. Auch für Dag Kleffmann, der an diesem Abend zum ersten Mal die Licht- und Tontechnik absolut fehlerfrei und völlig souverän gesteuert hat.

Auf dem Heimweg gingen mir die vielen Rätsel, die sich eben vor meinen Augen abgespielt haben nicht aus dem Kopf. Aber solange ich auch grübelte: auch nur eine einzige kleine Erklärung kam und kam mir nicht in den Sinn. Jedenfalls war der Gedanke an einen verpassten Grill- und Bierabend endgültig verschwunden. Wie durch Zauberei…

Frank Moll 

 

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IMG 4453Am Dienstagabend hieß es wieder: „Vorhang auf, für den Zaubersalon Wuppertal“. Und das schon zum 67. Mal. Jora war angereist, um uns sein abendfüllendes Soloprogramm vorzustellen.

Magier, Geschichtenerzähler und mittelalterlicher Narr in einer Person, lehrte er uns, an unmögliche Dinge zu glauben. Da war zunächst ein ungewöhnliches Geschenk, das er Stefanie aus der dritten Reihe machte. Es handelte sich um eine zerrissene und wieder hergestellte Spielkarte, die allerdings falsch herum zusammengewachsen war. Danach verwandelte er einen Löffel in eine Gabel und ließ ein kleines Loch wandern. Von solchen verrückten Dingen träumt er bereits vor dem Frühstück, obwohl er weiß, dass so etwas nicht praktisch ist. Immer wieder muss er sich deshalb selbst zur Raison rufen.

IMG 4497Auch von Superhelden träumt er. Und so ist es nur logisch, dass er einen Herrn aus dem Publikum zu einem solchen machte. Obwohl dieser selbst bestimmen durfte, an welcher Stelle seines Körpers ihn die Nadel des Woodoo-Zauberers durchbohren sollte, erwies es sich, dass er, durch ein Päckchen Heftpflaster, gegen alle Angriffe gewappnet war.

Es folgte eine Seilroutine, bei der wirklich nichts fehlte, was ein Zauberkünstler mit einem Seil anstellen kann. Die Moral dahinter war allerdings eine andere. Hier mahnte uns nämlich Jora, ein gebürtiger Schwabe, dass selbst die lieblichste Prinzessin, nach Jahren des Zusammenlebens, zu einem schrecklichen Drachen mutieren kann.

IMG 4537Die Geschichte von dem bösen geizigen Mann mit dem gläsernen Herzen, erzählte er uns ebenso eindrucksvoll, wie seinerzeit der Altmeister Punx, der in den 50er Jahren die Geschichten erzählende Zauberkunst im Fernsehen zelebrierte.

Jora, Joachim Rau mit bürgerlichem Namen, ist in dieser Kunst ein echter Meister. Er zeigt nicht einfach nur Zauberkunststücke, er erzählt phantastische Geschichten und lässt deren Figuren lebendig werden. Mal flüstert er kaum hörbar, im nächsten Moment lässt er einen markerschütternden Schrei los. Dann freut er sich, wie ein Kind, um gleich darauf den Karten-Junkie zu mimen, der sich beherrschen muss, um nicht aus der Rolle zu fallen. Großartige Schauspielkunst ist hier zu erleben, die nur dadurch erreicht werden kann, dass er das, was er darstellt, liebt.

IMG 4601Mit Hilfe des Kopf-Schwerter-Kastens praktizierte er mir persönlich eine nur gedachte Spielkarte aus dem Gehirn. Ich schwöre feierlich, dass ich keinerlei Schmerzen verspürte. Nur warm war es unter dem Ding. Die Pause kam daher gerade recht, um sich abzukühlen.

IMG 4662Nachdem man wieder Platz genommen hatte, inszenierte Jora ein regelrechtes kleines Liebesdrama mit Ritter, Burgfräulein und Knappe, bei dem er selbst natürlich den Hofnarren spielte. Es erwies sich, dass letzterer ein Schelm war, und so endete das Ganze mit dem Gebrauch der gefürchteten Arm-Guillotine. Der Schelm war zwar arm dran, jedoch der Arm blieb dran, da die holde Maid ihm die Hand gehalten hatte. Lediglich halbierte Gurken purzelten auf die Bühne.

IMG 4688Dass es Feen wirklich gibt und dass diese tatsächlich Wünsche erfüllen, lehrte er uns anschließend. Und bei dieser Gelegenheit präsentierte er eine der eindrucksvollsten Ringspiel-Routinen, die jemals im Zaubersalon gezeigt wurden, zu wunderschöner Musik. Überhaupt sind Musik und Requisiten, mit denen er Stimmungen zaubert, liebevoll ausgewählt. Der Zuschauer spürt instinktiv, dass dieser Künstler es sich nicht einfach gemacht hat. Wie viele Stunden der Planung und des Suchens mögen wohl in einem solchen Programm stecken?

IMG 4725Schon als Kind, so verriet er uns, habe er davon geträumt, in der Zeit zu reisen. Damals war es verboten. Unpraktisch. So was gehörte sich in der Schule nicht. Aber hier, auf der Bühne, hier darf er es. Ein Zuschauer wählte also aus einem Stapel Sammelbildchen die Darstellung einer Blume aus. Es ist die Blume, die in dem Film „Die Zeitmaschine“ eine nicht unwesentliche Rolle spielt. Während nun ein nicht enden wollender Schwall von Sand aus den magischen Händen rieselte, das Verrinnen der Zeit symbolisierend, verwandelte sich die Blume, welche man in die Zukunft geschickt hatte, in raschelnde knisternde Asche.

IMG 4744Das Puzzle des Lebens war das letzte Kunststück, das Jora an diesem Abend zeigte. Obwohl die Puzzle-Teile einen Rahmen vollständig ausfüllen, können zwei weitere Teile hinzugefügt werden, ohne den Rahmen zu sprengen. Wie ist so etwas möglich? Wo ist Magie überhaupt möglich? Nur an einem einzigen Ort. Das ist die alles entscheidende Lehre, die wir aus diesem wundervollen Abend mitnehmen. In uns selbst. In unseren Köpfen, oder besser noch, in unseren Herzen.

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