Den 90. Zaubersalon schildere ich aus der Sicht des Ansagers. Ich treffe den Solokünstler etwa zwei Stunden vor seinem Auftritt. Mir fällt auf, dass er viel Gepäck und eine Assistentin dabei hat. Schon im Eingangsbereich prangt ein lebensgroßes Plakat von ihm.
Er heißt Christian Lavey, sieht jung aus und kommt aus Luxemburg. Die Assistentin heißt Julia, sieht noch jünger aus, und erzählt, dass sie auch solo zaubert, aber im Moment hilft sie Christian bei seiner Show.

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Der Saal füllt sich nur langsam und ist auch kurz vor Show-Beginn nur halb voll. Das Wetter ist zu gut. Schade für den Magier, der eine ziemlich weite Anreise hatte.
Seine Eröffnung ist schnell und spritzig. Er bläst einen Luftballon auf, ersticht ihn mit einem Stilett und produziert eine Weinflasche daraus, die er später an einen Zuschauer-Helfer verschenkt.
Es folgt eine Version des Kartenwurfs mit einem Messer, bei dem scheinbar nicht alles so glatt läuft. Die wieder gefundene Karte steckt schließlich nämlich nicht am Dolch, sondern liegt irgendwo auf dem Boden, aber immerhin, es ist die richtige.
Danach ein unterhaltsames Mental-Kunststück, bei dem ein Luftballon weiter gereicht wird.
Lavey errät, welches Auto er für wie viel Geld kaufen soll und welche Spielkarte er auf die Heckscheibe drucken lassen soll.
Niedlich ist sein Luxemburger Dialekt, der immer wieder durch kommt, vor allem bei seinem nächsten Kunststück, dem Puzzle des Lebens. Wie er das Wort „Puzzle“ ausspricht, muss man erlebt haben. Tatsächlich tritt er dreisprachig auf, womit er auch hin und wieder
kokettiert.

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Mir fällt auf, dass er viel Potential verschenkt, indem er zum Beispiel seine beiden stärksten Effekte, den schwebenden Tisch und die schwebende Julia, unmittelbar hintereinander, am Ende des ersten Teils bringt. „Er macht die großen Sachen zu klein und die kleinen groß.“, höre ich einen erfahrenen Zauberer in der Pause sagen, und in der Tat erscheint die Reihenfolge und Gewichtung der Kunststücke etwas wahllos, eine Steigerung ist nicht zu erkennen.

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Der zweite Teil geht dann aber wieder flott los und zwar mit der Flaschenwanderung / Vermehrung. Als Running Gag setzt Christian den unerschöpflichen Wasserkrug ein und auch das nächste Kunststück hat mit Flüssigkeiten zu tun.
Aus einer Milchtüte produziert der Zauberer nach Wunsch der Zuschauer die unterschiedlichsten Getränke, die von Julia ins Publikum gereicht und von den Zuschauern verkostet werden. Zum Schluss ist die Milchtüte leer, was Lavey beweist, indem er sie zerreißt.

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Zwischendurch gibt es immer wieder kleinere Einlagen mit jungen Zuschauern, wie zum Beispiel eine Schwammball-Routine und Münzen-Zaubereien.
Es folgen ein gezeichneter Kartensteiger und ein unsichtbares Kartenspiel mit Riesenkarten, die beide sehr gut ankommen, dann eine Zwangsjackenbefreiung.

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Die Papierschlange, die er nun aus dem Mund zieht, fängt er mit einer Hand auf, anstatt sie meterweise über die ganze Bühne zu verteilen.
Sein Abschluss-Kunststück, ein Aufsitzer-Trick bei dem Salz erst unsichtbar, dann wieder sichtbar wird und von einer Faust in die andere wandert, kommt gut an, so dass das Publikum nach einer Zugabe verlangt.

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