Der 91. Wuppertaler ZauberSalon am 19.06.18 war eine ganz besonderer. Nicht nur begeisterten die Künstler Marcellin Oskar, Pascal Clement und Maik Brzozka; das Publikum; der ZauberSalon und „die börse“ erhielten an diesem Abend auch eine ganz besondere Auszeichnung.

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Doch zunächst zur eigentlichen Show.

Die Moderation an diesem Abend übernahm der Zauberkünstler Marcelini. Quasi im Gepäck hatte er seinen plüschigen Gefährten Oskar. Nachdem die beiden ein wenig über das Rederecht, die Eigenarten des Staubs an der Decke und gewisse Formen von Rotationsmenschen sinniert hatten, startete Marcelini die Show mit einem besonderen Kunststück. Es stamme, so erzählte er, von dem deutschen Zauberkünstler Dondo Burghardo. Mit nicht mehr als einem geschickt gefalteten Papier entführte Marcelini seine Zuschauer auf eine Welt- und Zeitreise durch Länder, Berufe und die Welt der Haushaltswaren. „..und am Ende konnte man es noch als Fliege verwenden.“ Ein toller Einstieg in diesen magischen Abend.

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Der erste Kurzauftritt des Abends gehörte eigentlich Pascal Clement. Dieser habe sich aber verspätet, berichtete der Müllmann, der stattdessen die Bühne betrat (und Pascal wie aus dem Gesicht geschnitten schien). In roter Latzhose und mit einer Mülltonne im Schlepptau wollte er als Entschädigung das Publikum erfreuen mit Erzählungen aus seiner Welt. Obwohl man das Gezeigte keineswegs als Ramsch bezeichnen darf. Nicht nur zeigte der Müllentsorger, der nach eigener Aussage „gar nicht zaubern kann“, was für kurioser, und erschreckend großer, Inhalt sich manchmal in weggeworfenen Papiertüten befindet. Auch wie man am besten mit zerrissenen Zeitungen umgeht, um sie wieder lesen zu können und was man mit einer solchen Zeitung gegen das Getränkeverbot im Flugzeug tun kann, machte der „Vertretungskünstler“ den Zuschauern bildlich klar. Die ungewöhnliche Rolle, die Pascal dabei einnimmt, ist irgendwie liebenswert und „nah“, denn einen Müllmann kennt wirklich jeder. Eine bessere Beschreibung dieses Kurzauftrittes gibt aber wohl diese Anekdote.

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Zu Gast waren an diesem Abend auch die Gewinner der Aktion des „Radio Wuppertal“, das Plätze ganz vorne und eine Backstage-Führung in der Pause verlost hatten. Unter anderem saß dort ein kleines Mädchen in der ersten Reihe, zu Pascals Performance nichts anderes zu sagen wusste als „Ich glaube, Du kannst zaubern“ – dem ein gerührtes Raunen durch das Publikum folgte.

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Nun wollte Oskar seinem Herrchen und den Zuschauern beweisen, dass ein echter Zauberhund in ihm steckt. Dazu erkor er eine Zuschauerin zu seiner Assistentin, die ihm drei Freiwillige aus dem Zuschauerraum suchte. Hund und Herrchen bekamen nun die Augen verbunden, und jeder der drei Freiwilligen wählte eine der Karten, auf denen sich so genannte ESP-Symbole befanden, also einfache Symbole, wie sie in der Mentalmagie oft verwendet werden. Oskar wollte nun erschnüffeln, welche Karte die Zuschauer gezogen und in kleinen Umschlägen verborgen hatten. Wer hätte gedacht, dass der Geruchssinn des flauschigen Hundes mit den großen Schlappohren sogar soweit geht, dass er alle drei Symbole richtig erschnüffeltn konnte!

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Auch der dritte Künstler des Abends kam in der ersten Hälfte noch auf die Bühne. Maik Brzozka, einigen vielleicht bekannt vom Duo Rick & Maik, war an diesem Abend zwar alleine dort, aber bestens darauf vorbereitet. So zeigte er zu Anfang einen Kartentrick mit einem „fast fertigen“ Kartenspiel, bei dem nur die Bildseite der Karten fehlte. Trotzdem ließ er einen Zuschauer eine Karte aussuchen, dessen Wert er richtig vorausgesagt hatte. Ein schöner Effekt, aber leider in seiner einfachsten Form vorgeführt. Der nächste Kartentrick des Hertener Zauberkünstlers begann mit einem nichts. Zumindest scheinbar, denn Maik hielt sehr wohl etwas in der Hand. Das unsichtbare Kartenspiel ließ er einem Freiwilligen zukommen, und deponierte einen Umschlag mit einer Vorhersage bei den Zuschauern. Das Kartenspiel ließ Maik sich vom Freiwilligen zurückwerfen, und in einem Fangnetz sichtbar werden. Die Karte, die der Zuschauer gewählt hatte, war dabei gar nicht so wichtig. Vielmehr ging es um den Namen der Karte, hatte doch jede der Karten einen Namen auf der Rückseite stehen. Und wie sich erwies, hatte der Zauberkünstler voraus gesehen, dass der freiwillige Zuschauer sich für „Benny“ entscheiden würde.

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Und noch ein Trick seiner ersten Hälfte hatte mit Karten zu tun. Dafür hatte Maik vor der Show auf jedem Sitzplatz vier Karten verteilt. Durch gemeinsames Zerreißen und Tauschen und Mischen erhielten alle trotz großen Chaos, und das im wahrsten Sinne des Wortes, am Ende wieder eine zusammenpassende Spielkarte. Bevor Maik die Bühne wieder freigab, suchte er sich noch eine Zuschauer, der einen 5€-Schein unterschreiben und in einem Umschlag verstauen sollte. Er würde in der zweiten Hälfte noch eine Rolle spielen.

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Vor der Pause kamen Marcelini & Oskar nochmals hervor und boten dem Publikum hier Hund-und-Herrchen-Lied „Friede, Freude, Hundekuchen“ dar, das aus ihrem gleichnamigen „Solo“-Varieté stammt. Und auch nach der Pause war es Marcelini, der die Zuschauer zurück in die Zauberei entführte. Er hatte ein Hörspiel mitgebracht, dass ihm, ganz im Stile einer beliebten Kindersendung, erklärte, wie er eine Cola Dose verzaubern konnte. Darüber, dass sich aber die getürkte Cola Dose zu einer echten mit abziehbarer Öffnung verwandelte, waren alle Zuschauer gleichermaßen erstaunt.

Sein neues Hobby, erzählte Marcelini weiter, sei die Quantenphysik für Anfänger. Das Stöhnen des Publikums mit einem Lachen aufnehmend, erklärte er, was Quantenphysik mit Magie zu tun haben könnte. Er wählte zwei Zuschauer, eine Frau und einen Mann, aus dem Publikum. Die Frau ließ er die Seitenzahl eines Buches, den Mann eine Spielkarte auswählen. Beides, in Form des Buches und der Karte samt Spiel, wurde in Zigarrenkisten verstaut; eine mit einem blauen Aufkleber für die Frewillige, eine mit einem grünen für den Zuschauer, Marcelini bekam eine leere mit einem roten Aufkleber. Das erstaunliche: Je nachdem, wie der Zauberkünstler Aufkleber wechselte, passte sich auch der Inhalt der Kiste der Farbe an. Und das sogar soweit, dass es sich im exakt den gleichen Gegenstand handelte, wie entsprechende Risskanten verrieten. Ich glaube zwar immer nicht, dass auch nur ein Zuschauer mehr weiß, wie Quantenphysik funktioniert, aber umso mehr waren begeistert von diesem eindrucksvollen Kunststück.

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In der zweiten Hälfte dann hatte Pascal als er selbst auf die Bühne gefunden. Im Gegensatz zu seiner „Vertretung“ aus dem ersten Teil trat er ganz klassisch in Sakko und mit einem Zylinder als Ablage auf. Auch er bezog diesmal das ganze Publikum mit ein. In der Pause hatten die meisten Zuschauer eine Serviette bekommen. Pascal zeigte dem Publikum ein Kunststück, bei dem durch einfache Gesten und Zaubersalz die Serviette völlig aus der Hand verschwand – zumindest bei ihm. Zudem zeigte Pascal eine Nummer, bei der aus einem unsichtbaren Ei mittels eines Beutels ein sichtbares Ei wurde. Zum Ende seines Auftritts wählte der aus Luxemburg stammende Zauberkünstler eine Zuschauerin. Diese ließ er einen von vier Umschlägen nach dem Ausschlussverfahren ziehen; die von der Freiwilligen scheinbar frei gewählte Karte stimmte mit seiner Vorhersage überein. Leider hat mich persönlich der zweite Auftritt von Pascal nicht so sehr überzeugt wie das seines Alter Ego; seine Texte waren für mich zu lang mit zu wenig entscheidendem Inhalt. Das Publikum machte aber einen gut unterhaltenden Eindruck, was für ihn und seine Zauberei spricht. Besonders Kunststücke, bei denen jeder mitmachen kann, kommen bei Zuschauern bestens an. Insgesamt bietet Pascal schöne Zauberei mit schönen Effekten, teilweise aber Schwächen in der Präsentation. Seine selbst geschaffene Bühnenfigur des Müllmanns allerdings ist eine herausragende, ungewöhnliche und schöne Idee, und die Kunststücke und die Art der Aufführung passten hervorragend dazu. Wer mehr über den Luxemburger erfahren möchte, schaut am besten hier vorbei: www.zaubererpascal.biz/new/

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Jetzt, wo Oskar und Marcelini beide ihre Zauber-Fähigkeiten unter Beweis gestellt hatten, wurde es Zeit für einen Klassiker der Zauberei. Die Zersägung von Jungfrau, stellten die beiden fest, war in mehrerlei Hinsicht problematisch, weswegen Marcelini sich kurzerhand für eine einfachere Lösung entschied. So zeigte der Künstler mit dem Kunststück des „zersägten Oskar“ eine niedliche, lustige und zu den beiden bestens passende Variante des uralten Kunststücks, welches so in einem anderen Glanz erstrahlen konnte.

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Der letzte Kurzauftritt des Abends gehörte wieder Maik. Auch er wollte dem Publikum einen Trick anhand einer Anleitung zeigen. Einen Schuh lieh er sich dafür von einem Zuschauer, den er nach dem erfolglosen Versuch, unbemerkt einen Becher darin zu verbergen, mit einem Getränk. Sichtlich geschockt, aber zuletzt doch verblüfft konnte er betroffene Zuschauer aber feststellen, dass der Schuh trocken geblieben und das Getränk doch am gewünschten Ort gelandet war. Nun kam der Umschlag mit dem 5€-Schein zum Tragen, den Maik in der ersten Hälfte von einem Zuschauer präparieren ließ. Dabei hatte er noch zwei weitere Umschläge mit jeweils einer Geldschein-Attrappe. Normalerweise, erzählte der Zauberer, käme für den Trick offenes Feuer zum Einsatz. Da dies in der „börse“ nicht möglich sein, entschloss er sich kurzerhand, den vom Zuschauer ausgeschlossenen Umschlag anderweitig zu vernichten – was beim Publikum für lautes Lachen, bei ihm für dicke Backen sorgte. Letzendlich hatte der Zuschauer trotzdem vermeintlich verloren, blieb doch am Ende nur eine der Attrappen übrig. Doch eine Chance gab Maik dem Zuschauer noch: Er sollte erraten, welche Frucht aus einer Papiertüte hervorlugte. Die „Ananas im Körper einer Orange“ beinhaltete aber nicht nur eine Identitätsschwierigkeit, sondern auch den gesuchten 5€-Schein.

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Maik stammt künstlerisch ursprünglich aus der Clownerie, was man seiner Performance auch anmerkt: Mit einem gewissen Chaos und jeder Menge lustiger Sprüche weiß er sein Publikum zu unterhalten, und zeigt darüber hinaus teilweise einfache, aber auch sehr spannende und schöne Kunststücke. Etwas Größeres braucht Maik auch eigentlich nicht. Spektakuläre, komplizierte Effekte mit viel Licht und Krach hätten neben der liebenswerten, selbstironischen und lustigen Bühnenpräsenz des jungen Zauberers sowieso keinen Platz. Mehr über den sympathischen Hertener erfahrt ihr auch unter rickundmaik.de

 

Zu guter Letzt betrat noch einmal Marcelini die Bühne, der zum großen Abschluss seiner Moderation noch zwei Zuschauer zu Bauchrednerpuppen erkor, und mit ihnen eine unterhaltsame Nummer über Berufe und das Singen darbrachte. Marcelini und sein Hund Oskar sind ein süßes Duo, und auch, wenn Marcelini als Zauberer auch allein auf der Bühne tolle Kunststücke unterhaltsam präsentiert, ist er zusammen mit seinem plüschigen Companion nochmal doppelt so sympathisch. Auch, wenn unter allzu schnellen Stimmenwechseln die Technik des Bauchredners teilweise etwas leidet, mag man sich doch gerne der Illusion des frechen Golden Retrievers als unmisslichen Teil seines Herrchens hingeben. Und etwas ist für Oskar ganz typisch für Handpuppen von Bauchredner: Sie dürfen alles sagen, was ein Mensch, auch ihr Mensch, nicht sagen darf, dürfen gandenlos frech sein und am lautesten über ihre eigenen Witze lachen – und man kann es ihnen einfach nicht übel nehmen. Unter www.marcelini.de erfahrt ihr mehr über den Bauchredner, seine tierischen und anderen Begleiter.

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Danke an dieser Stelle an die Künstler des Abends für die unterhaltsame Show, und an Reiner Walter für die Einführung des Abends.
Ein ganz besonderer Part dieses Abends fand zwar zu Anfang statt, sei hier aber als besonders hervorzuheben ans Ende gestellt: „Zauberei ist nur dann lebendig, wenn zugeschaut wird, und wird erst live zum Wunder“
Am 21.09.2010 fand der erste ZauberSalon in Wuppertal statt. Schon damals galt das Konzept vom ZauberSalon Hannover übernommen werden durfte: Ein ganzer Abend voller Magie, für die Zuschauer ganz ohne Eintritt, nur gegen Spende, und für Zauberkünstler eine Bühne, um sich und ihre Kunst auszuprobieren und zu präsentieren. Grund genug für Uwe Schenk, Vorstandsmitglied des Magischen Zirkels von Deutschland e.V., bei der 91. Ausgabe knapp 8 Jahre später persönlich bei den Initiatoren und der „börse“ zu bedanken. Rund 130 Zauberkünstler seien in den letzten acht Jahren im Wuppertaler ZauberSalon aufgetreten, rund 8100 Minuten Programm hatte es gegeben.

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Nun sei es an der Zeit, diesen Ort, an dem Zauberei eine solche Unterstützung findet, zu belohnen. Das MzvD-Gütesiegel „Zauberkunst erleben – Empfohlen vom Magischen Zirkel Deutschland” (oder kurz auch „Magischer Ort“) wird solchen Orten verliehen, an denen die Zauberkunst regelmäßig und nachhaltig hervorgehoben und gefördert wird.
Mit einer schönen und rührenden Ansprache, warum Zauberei nur live zum Wunder wird und über die Unterschiede zwischen Menschen und Zauberern (denn normale Menschen sind im Alter irgendwann erwachsen) überreichte an diesem Abend Uwe Schwenk ZauberSalon-Initiatorin Gunhilde Wahl und „börsen“-Geschäftsführer Lukas Hegemann die schwarz-goldene Plakette, die sich zukünftig am Eingang der „börse“ gut sichtbar wiederfindet.
In Deutschland gibt es bisher 17 solcher „Magischer Orte“; ein weiterer befindet sich nun in Wuppertal.

Tom V Kortmann

 

Den Dank des Magischen Zirkels möchte ich hier gerne wiederholen und mich ihm anschließen: An Jessie und Dag für das Fahren der Technik, an Julia und Bernd Grams für die Fotos, an alle Künstler, die je dort aufgetreten sind, an die „börse“ (die schon vor 43 Jahren wusste, dass sie ein magischer Ort ist ;) ), an alle Zuschauer, die den ZauberSalon besucht haben, vorallem an Gunhilde und ihren verstorbenen Mann, die den ZauberSalon ins Leben gerufen haben und ihn, wenn Henry dies auch nur von oben tun kann, mit viel Liebe und Leidenschaft weiterführen.
Diese besondere Auszeichnung ist ein großes Maß an Werschätzung für die Arbeit, die das gesamte Team in den ZauberSalon investiert, wurde rührend als solche angenommen und wird zukünftig auch Leuten im Vorbeigehen zeigen, wieviel Magie in der Wuppertaler Location steckt.

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