Am 17.07.2018 war Gaukler-Nacht im ZauberSalon Wuppertal. Dabei waren beim diesjährigen Open-Air-Event Heiko, der Zauberer und Nils, der Gaukler.

Die beiden Künstler, zumeist auf Veranstaltungen wie Mittelaltermärkten und Straßenfesten unterwegs, standen an diesem Abend erstmals gemeinsam auf der Bühne.

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Die Wurzeln der Zauberei als Teil des Gauklertums sollten an diesem Abend die Zuschauer erwarten, berichtete Frank Preußner in seinen einleitenden Worten.

Und als Heiko und Nils die Bühne betraten, hielt der erste Eindruck diesem Versprechen stand. Die Kostüme der beiden, Bauchtaschen, neckische Schuhe und eine närrische Kappe, erinnerten in der Tat an Gaukler aus vergangener Zeit. Im Wechsel zeigten die Künstler ihr Können, das nicht allein mit Zauberei zu tun hatte, sondern mit unterhaltsamem, ehrlichem Gauklertum – so Gauklerei denn ehrlich sein kann.

Nils, der Gaukler könnte auf den ersten Blick wie ein unscheinbarer Straßenkünstler wirken, den man im Mittelalter an jeder Marktecke angetroffen hätte. Doch wer sich die Zeit genommen hätte, inne zu halten und ihn bei seinem Treiben zu beobachten, hätte sicher erfreut festgestellt: Hinter der skurrilen Kappe und dem freundlichen Lachen steckt ein besonderer Künstler.

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Mit verschiedensten Arten der Jonglage, mit beinahe kreisrunden Allheilmitteln, dem „Teufelsstab“ und einem bei Dämmerung besonders feurig-schönem Schauspiel, von Heiligenscheinen und gekreuzten Armen über Tempo und Armleuchter bis zu der Frage, wieso er eigentlich keine Haare mehr hat, begeisterte Nils das Publikum mit dieser zuweilen etwas holprigen, aber in jedem Fall sehr beeindruckenden Form der Artistik. Dabei war er leider oftmals mit sich selbst viel kritischer als die Zuschauer. Was seine Jonglage in jedem Fall außergewöhnlich macht, ist die sprachliche Untermalung seiner Vorführung, voller Sprachspiel und Heiterkeit. Ganz nach dem Motto „Sieht nicht unheimlich aus, ist aber unheimlich schwierig!“

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Doch auch die bereits angekündigten „Wurzeln der Zauberei“ lagen dem Kölner Künstler nicht fern. So probierte Nils etwa, sein Publikum mit einem der ältesten Falschspielertricks der Welt, dem Hütchenspiel, hinters Licht zu führen. Dabei hatte er es mit den zaubererprobten Zuschauern gar nicht so leicht, beobachteten diese doch ziemlich genau, was es wohl mit der grünen Erbse auf sich habe. Dennoch war es schön, durch seine Vorführung einmal an den Ursprung dieses vielmals in unterschiedlichsten Weisen vorgeführten Tricks erinnert zu werden.

Ein weiteres Kunststück, das man allzu gerne als „alten Hut“ der Zauberei ansieht, fehlte an diesem Abend nicht. Mit einem Ringspiel, bestehend aus klassischen, aber auch ungewöhnlichen Elementen brachte Nils das Publikum zum Grübeln. Besonders gut gefiel mir auch dort die Ursprünglichkeit: Nils brauchte keine tiefgründigen Metaphern oder seltsame Vergleiche. Er sprach über das, was er auch tat, und was der Zuschauer sehen konnte: Das Verketten und Entketten von Metallringen in unterschiedlichsten Varianten.

Einen, wenn man so möchte „kleiner Bruder des Hütchenspiels“, brachte Nils ebenfalls auf die Bühne: Das Becherspiel. Noch heute gern genutztes Zauberkunststück, in den Händen des Gauklers ebenso ursprünglich wie die vorangegangenen Nummern. Auch hier hatte Nils mit einem aufmerksamem Publikum zu tun, dass er dennoch in geschickter Manier zu überlisten wusste, ohne es dabei vorzuführen. Eine schöne Performance; lediglich der Schlusseffekt der Nummer hätte meiner Meinung nach etwas mehr hervorgehoben werden können. Die Überraschung über den untererwartet großen Inhalt, der sich plötzlich unter Bechern und Hut befand, konnte sich ob des Schlussapplauses kaum richtig ausleben.

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Nils, der Gaukler ist unbestreitbar ein Könner seines Faches. Jedem, der sich jemals mit Zauberei und Gauklertum im Mittelalter beschäftigt hat, wird jemand wie Nils sofort in den Sinn kommen. Von seinem Kostüm über die Auswahl der Vorführungen und die Authenzität seiner Bühnenfigur bietet Nils ein unterhaltsames Schauspiel. Lediglich eine gewisse Unsicherheit bei einigen Griffen trübt diesen Eindruck kurzzeitig; Nils weiß dies aber mit seiner herrlich spontanen Art und vorallem seiner in meinen Augen großartigen Art der Sprache, authentisch, voller Wortwitz und ohne auf „typische“ Gags angewiesen, wie selbstverständlich in seine Performance mit einzubinden. Ein Gaukler, der seinen Namen mehr als verdient trägt.

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Mehr über ihn gibt es zu erfahren unter www.nils-der-gaukler.de/

Die Wahl der Kunststücke, die Heiko, der Zauberer, auf die Bühne zauberte, erschien zunächst mehr klassisch als ursprünglich. Was aber nicht bedeuten soll, dass sie nicht ins Konzept eines mittelalterlichen Unterhaltungskünstlers gepasst hätten.

Mit Schwammbällen und Seilen etwa, Requisiten, die sich wohl auch in jedem gut sortierten Zauberkoffer finden, entführte er das Publikum dennoch auf eine mittelalterliche Bühne, passte durch Wortspiele und bildliche Erklärungen klassische Elemente an das Gauklertum an.

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Heiko wusste seine Zuschauer durch geschickten Einsatz von „Massenzuruf-Auswertung“, wie im von „demokratischen Kreuzzügen und Hexenverfolgung“ geprägten Mittelalters üblich;) , zum Mitmachen zu bewegen. Übrig aus der Entscheidung blieb schließlich das „Ei!“, welches zugleich Gegenstand eines seiner Zauberkunststücke wurde – wenn auch nicht immer sichtbar.

Und noch ein Gegenstand erinnerte an die Zeit, in der Verbrechen noch auf andere Arten verfolgt wurden als heute. Aus dem Versuch, einen „Waschbären“ zu hypnotisieren, und der Frage, was Kinder an einer Kontrollgurke so interessant finden, ergab sich ein tollkühnes Kunststück, bei dem man, selbst ob der Gewissheit, dass es eigentlich nicht schiefgehen kann, kaum hinschauen mag. Dennoch kamen alle heil davon; der Waschbär, der Zauberer. Nur die Gurke wurden letztendlich Opfer der offenbar vitaminhungrigen Kindermeute.

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Zu guter Letzt noch, nach langer Überzeugungskraft, ließ sich wenigstens einer der beiden Künstler auch, wie es sich für einen Gauner…äh…Gaukler gehört, in Fesseln legen. Doch wer ein wahrer Zauberer ist, dem gelingt es allzu schnell, sich daraus zu befreien, so sehr die beteiligten Zuschauer sich auch Mühe gaben.

Heiko, der Zauberer, verbindet einige der heute noch zu jeder Zaubererausbildung gehörige Routinen mit Sprache und Bildern des mittelalterlichen Gauklertums. Dabei legt er große Souveränität und tolle Fingerfertigkeit an den Tag, was Effekte verblüffend und unterhaltsam machte. Ich hätte mir jedoch gewünscht, dass Heiko weniger oft nach Applaus verlangt hätte. Beurteilen kann ich nicht, ob dies bei der Straßenzauberei notwendig ist; im ZauberSalon jedenfalls hätte er das „Handgeklapper“ der Zuschauer sicherlich auch ohne Einforderung in vollem Maß erhalten.

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Umso mehr hat mich aber seine Schlusseinschätzung gefreut, denn dies, könnte ich mir vorstellen, geht besonders bei „Laufpublikum“, wie es bei Straßenzauberei üblich ist, zuweilen sicherlich verloren: „Ohne Euch wären wir nur zwei Verrückte, die auf der Bühne ständen und Selbstgespräche führen.“

Über Heiko, den Zauberer findet ihr mehr unter www.heiko-der-zauberer.de

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Die Gaukler-Nacht im ZauberSalon hat ihrem Namen alle Ehre gemacht. Gauklerei als Ursprung der Zauberei kam hier mehr als gekonnt zum Tragen, und es war toll, heute immer und überall auf modern getrimmte Kunststücke einmal als das zu erleben, was sie früher einmal waren: Kleine Tricks aus den Bauchtaschen großer Gaukler.

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Vielen Dank an dieser Stelle an die Künstler des Abends Heiko und Nils, an Julia und Bernd für die Fotos, Frank für die Moderation und das „börsen“-Team für die toll aufgebaute Open Air-Location und das super Catering!

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