Am 18.09.2018 fand die 94. Ausgabe des ZauberSalon Wuppertal statt. Mit dabei waren diesmal die Zauberkünstler Toby Rudolph, Volker Putt und Arnd Clever. Durch den Abend führte Rufus Grey.

Etwas unkonventionell startete der Zauberer Rufus Grey die Show. Denn schon vor dem Einspieler, welcher regelmäßigen Besuchern des ZauberSalon bestens bekannt ist, hatte Rufus die Requisiten für eine „Probe“ aufgestellt. Eine gelungene Probe, bei der er noch vor dem offiziellen Showbeginn mit Hilfe einer Serviettenrose und eines Tisches einem Kind den ersten besonderen Moment des Abends bescherte.

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Rufus beschränkte sich auch den weiteren Abend lang nicht allein auf die Anmoderation der anderen Zauberkünstler; auch ließ er sich nicht nehmen, selbst für einige ungewöhnliche Augenblicke zu sorgen. Da waren solche voller Klamauk, wenn er etwa einer Zuschauerin eine nicht ganz ernst gemeinte Vorhersage präsentierte; oder solche beeindruckenden Augenblicke, in denen er bewies, wie ein „cooler Typ“ und eine „heiße Frau“ zusammen passen können. Selbst vor einer Hypnose schreckte der Oberhausener nicht vor zurück, und nahm vermeintlich einer Zuschauerin für kurze Zeit ihre Lesefähigkeit, was zu einer für das Publikum sehr unterhaltsamen Nummer führte.

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Die Moderation, die Zauberei und das ganze Auftreten von Rufus hatte zwei Seiten. Die eine, sichtlich planlos, mit viel Quatsch und zeitweise doch sehr viel Vorbereitung für einen einzigen, wenn auch tollen, Effekt; und die andere, selbstironisch, erfrischend und vorallem sehr unterhaltsam, die überwog, sobald der erste unbedacht schelmische Kommentar fiel. Rufus Grey ist vielseitig, komisch und irgendwie mitreißend; wer einmal in die Verlegenheit kommt, diesen Künstler auf der Bühne zu sehen, sollte eines nicht erwarten: Langeweile.

www.rufus-grey.de

Der erste Künstler mit einem Kurzauftritt war Toby Rudolph. Manch einer mag gemeint haben, „der sieht aber noch sehr grün hinter der Ohren aus“. Ist er vielleicht auch irgendwie, aber man soll bloß nicht glauben, dass Toby das nicht zu seinem Vorteil zu nutzen weiß.

Mit einer augenscheinlich nicht wirklich demokratischen Abstimmung verbrachte er das Publikum zum ersten Kartenkunststück des Abends. Bei diesem täuschte er nicht nur den unglaublichen Weg vor, den eine der Karten gegangen sei, sondern verblüffte seine Zuschauer und vorallem die beteiligte Zuschauerin auf ganzer Linie mit dem unerwarteten Ortswechsel eines ganzen Kartenspiels.

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Auch ließ er einen Ring aus den Händen eines Zuschauers verschwinden an einen wirklich unmöglichen Ort im Publikum, sodass der Trick zurecht den Titel der „unglaublichen Ringwanderung“ trägt.

Und nochmals ließ der Zauberkünstler eine Zuschauerin die Wahl aus verschiedenen Zaubertricks treffen. Dass die Wahl abermals auf einen Kartentrick fiel, hat sicher nichts mit dem Aufwand zu tun, den die anderen Möglichkeiten voraus gesetzt hätten…

Mittels zwei sichtbaren und einem unsichtbaren Kartenspiel vollbrachte Toby dann ein Kunststück, dass man in einer Form als zaubererprobtes Publikum zwar schon kennen mag; in dieser Art aber den ohnehin beeindruckenden Effekt der vorher ausgewählten und dann im Spiel als einzige umgedrehten Karten noch einen Ticken verblüffender machte. Wer nicht genau hingesehen hat, hat weder das unsichtbare Kartenspiel gesehen, noch wie genau der Magier dabei vorgegangen ist. Und wer genau hingesehen hat, hat wahrscheinlich genauso wenig gesehen.

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Der junge Bonner ist ziemlich wuselig, zuweilen etwas verpeilt, vorallem aber sehr sympathisch und steckt mit seiner guten Laune unweigerlich alle an. In seiner irgendwie niedlichen und manchmal etwas unfreiwillig selbst beeindruckten Weise präsentiert er großartige Zauberei, die vermutlich sogar jeden Zaubermuffel aus seiner Lethargie holen könnte.

tobyrudolph.de

Ein weiterer Künstler des Abends, Volker Putt, ist noch relativ frisch auf der Bühne. Er war das erste Mal beim ZauberSalon Wuppertal zu Gast.

Schon der erste Auftritt des Zauberers war Sinnbild dessen, was die Zuschauer erwartete. Ein wenig träge, schräg und unfreiwillig komisch. Denn bereits für diese ersten Minuten hatte Volker sich nicht etwa, wie die meisten anderen Zauberer es tun würden, Karten ausgesucht, sondern ein ganz und gar untypisches Requisit für eine „Kartenwanderung“. Aber wenn man Kartentricks nunmal Käse findet…

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In der zweiten Hälfte wagte sich der Zauberer dann an etwas sehr viel Klassischeres. Doch wollte er das Seil nicht allein verzaubern, und holte sich ein Zuschauerin dazu, die ihm alles nachmachen und für den Applaus sorgen sollte. Unterhaltsam; aber wirklich magisch war wohl nur das Ende, als für den letzten Effekt überraschend tatsächlich auch die Zuschauerin einen Knoten vom Seil abziehen konnte.

Zuletzt noch präsentierte Volker eine mentalmagische Nummer, bei der er aus den Gedanken eines Zuschauers drei Dinge richtig las.

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Ich habe selten bei einem Zauberkünstler so oft im Nachhinein gedacht, das sei wohl Geschmackssache. Sein Name ist ein Wortspiel, das schon darauf hindeutet, und dennoch: Mir persönlich ist Volker Putts Zauberei etwas zu temperamentlos, worin Effekte und auch Gags teilweise etwas untergehen. Doch er zaubert „solide“, hat sichere Tricktechniken und verblüfft seine Zuschauer, und hat auch durchaus unterhaltsame Momente. Und der Applaus, den Volker erhielt, spricht dafür, dass er den Geschmack des Publikums durchaus getroffen hat.

Der letzte Zauberkünstler des Abends war Arnd Clever, der schon mehrfach das Publikum im ZauberSalon Wuppertal begeistert hat – so auch an diesem Abend.

Zunächst präsentierte Arnd den Zuschauern einen außergewöhnlichen Trick. Oder zumindest mit einer außergewöhnlichen Herkunft. Im Nachhinein fiel mir ein, dass man daraus sogar eine echte Erkenntnis ziehen kann: Das Drumherum ist gar nicht immer der entscheidende Faktor, manchmal liegt der Trick auch einfach in der Anpassungsfähigkeit des Inhalts. Oder so ähnlich. Aber wie war das noch mit der Coladose?

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Die Passion des Zauberers bietet dem Publikum etwas sehr Besonderes: Die fantasievolle und zauberhafte Verbindung zweier Kunstformen, der Musik und der Zauberei.

Aber nein, der Lüdenscheider führt keine gefühlvolle Routine zu feinsinniger Musik vor. Seine musikalische Magie ist wesentlich ausgelassener. Wenn Arnd seine Loop-Station (ein technisches Gerät zum Aufnehmen und Endlos-Wiederholen („Loop“) einer Tonaufnahme) hervorholt, kann man schon mit dem Besten rechnen. So auch an diesem Abend, an dem Arnd eine selbst a cappella untermalte Version eines über 50 Jahre alten Ohrwurms mit einer süßen und spaßigen Performance rund um einen kleinen Lichtpunkt verband.

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Neben der Zauberei und der Musik, so erzählte Arnd, sei auch Karate eine heimliche Leidenschaft. Ob man ihm das nun abkaufen will oder nicht, zum Schreien komisch, selbstironisch und wirklich verblüffend war es auf jeden Fall, sein Kartenraketen…Karatekarten…Raketenkarate…ach, der Trick mit dem Stirnband und dem markerschütternden Schrei ;D

Zu guter Letzt hatte Arnd noch eine Premiere im Gepäck, die zu recht sehr gut beim Publikum ankam. Ein, natürlich selbst a cappella gesungenes, tolles Lied der wunderbaren Musikgruppe „Wise Guys“ und ein Klassiker der Zauberkunst in neuem Gewand, bzw. mit neuem Inhalt, macht dieses neue Kunststück zu einer Gute-Laune-Pille unter den Zaubertricks.

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Arnd Clever ist in meinen Augen ein Ausnahmekünstler, der vor Humor und Kreativität nur so strotzt, und der so die Zauberei zu einem ganz besonderen Erlebnis macht.

www.clever-entertaint.de

Der September-ZauberSalon in der „börse“ in Wuppertal war eine bunte Mischung vieler unterschiedlicher Charaktere und gespickt mit vielen lustigen, schönen und verblüffenden Momenten. Danke an alle Künstler, an die Organisatoren, das „börsen“-Team, Dag und Jessie für die Technik und Julia und Bernd für die Fotos! Weiter geht es mit dem ZauberSalon am 16.10.18!

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