Der ZauberSalon Wuppertal im Oktober stand ganz im Zeichen von Halloween. Für den 16.10.18 hatten sich drei Künstler für diese Special-Show in der „börse“ in Wuppertal eingefunden.

Eröffnet und auch moderiert wurde die Show von Arepo, den einige besser als Dag vom Technikteam des ZauberSalon kennen. Doch an diesem Abend hatte er eine andere Rolle eingenommen, eine irgendwie unheimlich, aber doch so fesselnde, dass es schwer war, seinem Treiben nicht folgen zu wollen.

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An diesem Tag sei, so erzählte er, zwar noch nicht Halloween; ein ähnlicher, heidnischer Feiertag falle aber auf genau diesen Tag. Und so wollten er und seine Mitstreiter die Zuschauer zu einem schaurig anmutenden Abend entführen.

So brachte er dem Publikum die Welt der Geister näher, indem er mit ihrer Hilfe die Gedanken einer Zuschauerin las und auf eigentlich unerklärliche Weise auf einer Schreibtafel erscheinen ließ. Doch damit nicht genug, hatte er sich auch mit der uralten Kunst von Voodoo und Fakirismus beschäftigt. Nicht nur die scheinbare Fähigkeit, Schmerz völlig ausblenden zu können, demonstrierte Arepo auf anschaulichste Weise; auch die Fähigkeit, dem Tod von der Schippe zu springen spielte bei einem Spiel mit giftigen oder eben nicht giftigen Getränken eine Rolle.

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In einer Gedankenreise nahm Arepo das Publikum mit in eine kleine Stadt nach England zu einer Begegnung mit einer Wahrsagerin, und ließ einige Zuschauer am eigenen Leib erfahren, was es mit den Eigenarten von Voodoo und Fakirismus auf sich hat. Verletzt wurde dabei niemand, wenngleich auch sicherlich erschreckt, was lediglich noch durch seinen eigenen körperlichen Einsatz gesteigert wurde, bei dem sich der Künstler nah, fast schon zu nah, mit Rasierklingen und einem Nagelbrett abgab.

Alles in allem hatte Arepo wohlmöglich die Stimmung erzielt, die er erzielen wollte. Vor Staunen und Schrecken offene Münder, haarscharf vorbei an der Abscheu vor solchen Kunststücken, nur reguliert durch seinen zeitweise doch rabenschwarzen Humor, der so wunderbar zu seiner Rolle passte. Allein einige technische Probleme rissen den Zauberer zwischenzeitlich etwas heraus, doch alles in allem behielt er die ernste Miene seiner Bühnenfigur bei.

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Man kann von dieser Art von „Zauberei“, so dass denn das passende Wort auch für diese extreme Art der Körperbeherrschung ist, halten, was man will – Arepo jedenfalls hat es geschafft, dies auf eine einnehmende Art für eine kleine Bühne wie die des ZauberSalons praktikabel zu machen, und bescherte so den Zuschauern wirklich schaurig schöne Momente.

Der zweite Künstler des Abends war der Magier Marco Weissenberg. Er stellte an diesem Abend das Kontrastprogramm zum unheimlichen Arepo, den schaurigen Dekoration und dem noch folgenden Künstler dar.

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Marco hatte drei Nummern aus seiner noch relativ frischen Show „Wunderkind“ dabei. So hatte er, wie er erzählte, einen neuen Lebensabschnitt vor sich. Diese vermeintliche Veränderung brachte ihn dazu, sich ernsthaft damit auseinander zu setzen, wie sehr selbst kleinste Dinge, Erinnerungen, nostalgische Gefühle oder einfach einer kleiner Plüschdino Situationen in ein anderen Licht rücken können, und wieviel es einem abverlangen kann, sie in einen, den immer gleichen, vorgegebenen Rahmen zu bekommen.

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Doch nicht nur ernste Themen beschäftigen den jungen Magier. Auch mit ein wenig ironischen Fragen beschäftigte er sich. Etwa, woher man ihn abseits der Bühne wohl kennen könne, oder wie es gelingen konnte, den Tücken eines unpraktikablen Mobilfunkvertrages zu entgehen. Was genau Porto und die Wahl des richtigen Zauberstabes dabei für eine Rolle spielen sei dahingestellt. Wichtig scheint dabei am Ende nur, um etwas, das der Zauberkünstler hat verschwinden lassen, wiederzufinden, den Weg zu suchen, den Verschwundenes gegangen ist, so steinig, oder krümelig, er auch sein mag.

Seine Zauberei, so erzählte Marco, sei sehr viel durch Film und Kino geprägt. Genauso ist es: Viele seiner Kunststücke muten an, als wären sie gerade einem Film entsprungen; wunderbar stimmige Bilder mit passender Musik und somit unweigerlich einer ganz eigenen Stimmung. Und ebenso war auch die letzte Nummer des Unnaer Magiers gestrickt: Eine Antwort auf die Frage, was wohl möglich wäre, wenn gewisse ungeschriebene Gesetze für ihn als Zauberer oder gar als Superheld nicht mehr galten, und was man mit solchen Fähigkeiten alles anstellen konnte. Oder werden konnte, wenn eine Zuschauerin sich richtig entschied. Wenn Marco auch daraufhin nicht mehr allzu lang auf der Bühne verweilen konnte, denn bringt das richtige Outfit offenbar auch eine gewisse Verantwortung mit sich. Und nein, damit ist nicht das Füttern des Kaninchens gemeint, das im Zylinder wohnt.

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Marco Weissenbergs Zauberkunst ist in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich und wird durch die frech-sympathische Art es jungen Magiers zu einem besonderen Erlebnis. Wer sich einmal die ganze Show „Wunderkind“ ansehen möchte, was ich jedem nur sehr empfehlen kann, findet alle Termine und weitere Infos unter www.marcoweissenberg.de

Der dritte und letzte Künstler des Abends war ein spezieller Act, der wieder das eigentliche Thema des Abends aufgriff, die Kuriositäten der Zeit vor und um Halloween. Ted McKoy, eigentlich Straßenzauberer, hatte für das Publikum Geschichten wie aus einer anderen Welt dabei, einer Welt, der man am besten nicht nachts im Dunkeln begegnete. So gab er Erzählungen zum Besten über eine allzu tragische Familiengeschichte, die letzendlich aber soviel ins ich verbarg, dass sie einen leeren Bilderrahmen neu füllen konnte.

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Was positive und negative Energie für einen starken Einfluss haben konnte, bewies Ted mittels eines Experiments, dessen Ausgang voher so ungewiss und im Nachhinein so überdeutlich war, dass etwas eintrat, dass man selten so erlebt: Denn ich hatte erst wenige Mal das Gefühl, das Publikum habe tatsächlich nicht aus Langweile, sondern aus reinem Erstaunen schlichtweg vergessen zu applaudieren.

In einer Art, genau, wie man sich einen bizarren Straßenzauberer vorstellt, in der Ecke eines dicht belaufenen, mit Kopfsteinpflaster belegten Marktplatzes irgendwo in den Highlands von Schottland, bereits in der Abenddämmerung, in der das Licht allein schon wirklichkeitsverzerrend sein kann, bot Ted zu guter Letzt noch eine klassische Routine dar, die aber durch seine Bühnenfigur mehr wurde als nur die Spielerei mit einem Seil.

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Die Außergewöhnlichkeit seiner Darbietung war auch im Nachhinein noch irgendwie spürbar; die Wahl von Worten und Requisiten, die unglaubliche Atmosphäre, die Ted schuf, und das durch und durch einnehmende Wesen dieses Zauberkünstlers, das ihn selbst wohl zur größten Kuriosität und vorallem Rarität seines Auftritts machte.

So wurde dieser ZauberSalon durch Arepo und Ted seinem Halloween-Thema und den damit einhergehenden Möglichkeiten für eine Zauber-Darbietung mehr als gerecht, während Marco für eine dankbar angenommene Abwechslung in einen weniger unheimlichen Bereich der Zauberei führte. Danke an alle Künstler, das börsen-Team, Jessie an der Technik und Julia und Bernd für die Fotos.

Und ganz klein sei an dieser Stelle auch noch erwähnt: Vielen Dank, dass ich seit einem Jahr diese Nachberichte für den ZauberSalon schreiben darf, und für die wunderbare Überraschung dazu bei dieser Oktober-Ausgabe.

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