In der November-Ausgabe des ZauberSalon Wuppertal war der Zauberkünstler Dr. Knut Knackstedt mit seinem Programm „Quantum“ zu Gast. Moderiert wurde der Abend von Dag.

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Schon der erste Eindruck des Bühnenbildes ließ darauf schließen, dass es an diesem Abend eine ganz besondere Stimmung geben wird; düster irgendwie, aber nicht abschreckend genug, um nicht doch zuschauen und vorallem zuhören zu wollen.

Als Mitternachtsmagie bezeichnet Knut seine Zauberkunst, eine besondere Form der Zauberei rund um Kommendes und Vergangenes in den dunkelsten Stunden eines Tages. „Quantum“, die Bezeichnung für ein Teilchen, habe er als Titel gewählt, weil es die Teilchen sind, die Schwingungen erzeugen, und so auch nicht Offensichtliches irgendwie spürbar machen. „Und einem Menschen, der wahrhaft schwingungsfähig ist, bleibt so etwas nicht verborgen.“

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Zu Beginn seiner Show erzählt Knut ein Märchen über einen Mann, der im Gespräch mit einer Hexe zu einem besonderen Geschenk kommt, weil er „alles liebt, was die Welt zu geben hat“. Und es zeigte sich, dass hinter der Geschichte, hinter dem Geschenk und auch hinter dem Kunststück, mit dem Knut das Märchen untermalt, viel mehr steckt, als das schwarze Tuch vermuten ließ.

Zu seinem Kunststück auf eine besondere Art, über eine besondere Tatsache oder besondere Erzählung hinzuführen, zeigte sich nicht nur am Anfang.

Zwischenmenschliche Beziehungen bergen einige Besonderheiten. Mit einer davon sollte sich nun ein verheiratetes beschäftigen. Sie wählten aus einer Auswahl zufällig Kosenamen füreinander aus, die der Zauberkünstler richtig vorhersagte. Ein nettes Kunststück, dass aber in meinen Augen keinen richtigen Platz im Konzept der Show findet, oder zumindest an der falschen Stelle platziert wirkt.

Beziehungen zwischen Menschen, so fuhr Knut fort, können, sinngemäß wiedergegeben, mit Inspiration, Weite, zuweilen aber auch Wehmut zu tun haben. Die Frage, ob Quanten an Raum und Zeit gebunden seien, beschäftige ihn, und so habe er sich auch damit beschäftigt, wie Menschen über Raum und Zeit hinweg miteinander in Kontakt treten können. Das Requisit wirkte zwar nicht weiter spektakulär, wenn es um das Kontaktaufnehmen geht, barg aber einen außergewöhnlichen Inhalt, bezogen die Reise, auf die der Künstler eine Zuschauerin damit schickte, und die Gedanken, die sie daraus mitnahm. Ein schönes und effektvolles Kunststück, dass man gerne auch mit einem lachenden Auge betrachtet.

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Doch auch der dunkleren Seite von Handlungen zwischen Menschen hat sich Knut angenommen. Wenn Quanten sich verschränken entstünden Spannungen, die ziemlich düstere Effekte haben können. Ein Paar ließ er deshalb in die Rolle zweier Menschen schlüpfen, die Opfer einer solchen Spannung geworden waren. Das Schicksal besiegelt durch zwei wie zufällig gewählte Karten, hatte der Zauberkünstler dies anscheinend schon vorausgesehen, wenn man von den Requisiten ausging, die er für dieses Kunststück zuvor bereitgestellt hat. Eine Geschichte, die einem einerseits ein nervöses Lachen, andererseits aber auch eine echte Gänsehaut bescheren kann.

Nach der Pause ging es nicht minder abstrakt weiter; Träume und Gedanken waren Thema des nächsten Kunststücks, und wie sie sich auch Auswirken auf Menschen, denen andere Methoden von Sein verwehrt bleiben. Ein Zuschauer wurde gebeten, aus einer Auswahl einen Gegenstand zufällig zu bestimmen, und ihm eine Bedeutung zuzuschreiben. Diese Bedeutung war tatsächlich genau das, was laut Vorhersage auch das sein dürfte, was einer Person durch den Kopf geht in eben dieser Lage, nichts Anderes als Gedanken und Träume zu haben. Ein Kunststück, dass einen sehr treffen könnte, wenn man selbst mit einem solchen Menschen, einem solchen Patienten vielleicht, zu tun hat oder hatte.

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Schwingungen im wahrsten Sinne waren Gegenstand des Folgenden, bei dem eine Zuschauerin eine Wahl aus verschiedenen musikalischen Schwingungen, Klängen also, traf, die genau dem entsprach, was der Zauberkünstler als „Nachtstimmung“ bezeichnete. Über die Nacht, die Mitternacht, kam er auf das Thema Ängste. In der Nacht nämlich finde man die Wurzel aller Ängste. Der größten Furcht eines Zuschauers ging er dabei auf den Grund, erspürte sie quasi richtig und setzte auch sie ins Verhältnis zum Ursprung aller Ängste.

Und noch eine besondere Angst sollte den Abschluss der Show bilden. Die Angst vor dem Tod, wie etwa dem Autor Edgar A. Poe nachgesagt wird in Form des „lebendig begraben werdens“. Durch und durch atemberaubend war das folgende Kunststück; nicht, weil es besonders pompös oder überfordernd wirkte. Dennoch war er unheimlich, dieser Moment, in dem der Zuschauer auf der Bühne aufhörte, nach dem Takt von Knuts Puls zu klopfen, und erst nach einigen langen Sekunden der Klang einer Glocke Erleichterung brachte. Es hatte ohne wirkliche Gefahr diesen bitteren Beigeschmack wirklichen vollkommenen Endes, der mich persönlich endgültig aufgewühlt, schwer schluckend und sprachlos zurückließ.

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Dr. Knut Knackstedt und seine Show „Quantum“ sind schwerlich in eine Schublade zu stecken. „Mitternachtsmagie“ trifft es wohlmöglich am besten, wenn das heißt, vor lauter Staunen und Grusel und Herzklopfen kaum selbst noch die Gedanken in Ordnung halten zu können. Wenngleich sich der Abend überwiegend aus der Methode der Vorhersagen bediente, waren diese doch in so in jeder Hinsicht fantastische Geschichten verpackt, vorgetragen von einem Geschichtenerzähler sondergleichen, der so in seiner Sparte schwer zu übertreffen sein wird. Mit angenehmer Stimmlage, passendster Wortwahl in klarer Sprache, mit außergewöhnlich ausgewählten Requisiten und Geschichten, einem beeindruckenden Hintergrundwissen und immer mit einer Portion feinsinnigem Humor ist „Quantum“ zwar irgendwie gruselig, makaber vielleicht, beinahe verstörend; aber in jedem Fall einzigartig und bietet düstere Unterhaltung in Reinform, auf höchstem Niveau.

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Danke, lieber Knut, für diesen außergewöhnlichen mitternächtlichen Abend im ZauberSalon. Ein weiterer Dank wie immer an das „börsen“-Team, an die Technik und die Fotografen! Weiter geht es mit dem ZauberSalon am 18.12.2018.

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