98. ZauberSalon-Wuppertal

Auch das Jahr 2019 startete für mit einem bunten ersten Wuppertaler ZauberSalon.

Zu Gast waren diesmal unter anderem Zauberkünstler Kalibo und Mentalist Holger Glang.

Den Anfang machte aber der „zaubernde Comedian“ Torben Schmidt. In der ersten Hälfte vermisste man die Zauberei gänzlich; stattdessen versuchte der Dürener, der Bedienungsanleitung eines Einkaufswagens etwas Lustiges zu entnehmen, was ihm aber kaum gelang. Ob es an der Nervosität lag oder an der Nummer selbst; so oder so rief es keine starken Publikumsreaktionen hervor.

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Im zweiten Teil widmete sich Torben dann der Zauberei. In zwei Tüten hatte er die Requisiten für je einen Trick versteckt; darunter auch jeweils eine Handpuppe, die dann vermeintlich die eigentliche Trickarbeit leistete. Torben betreibt kein Bauchreden, sondern spricht die Puppen einfach mit unterschiedlichen Stimmen, was in meinen Augen einen etwas obskuren Eindruck hinterließ.

Zum einen war da eine blinde Ente, die trotz ihres Handicaps die zufällig gewählte Karte eines Zuschauers wiederfand. Die zweite Tüte enthielt eine Hasen-Handpuppe mit einer etwas obstruktiven Einstellung zum Umgang mit Menschen. Dieser Hase unternahm einen Versuch, das zufällig aus einem Buch ausgesuchte Wort eines Zuschauers zu erraten.

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Der Abschluss seines Auftritts kam mir (leider) allzu bekannt vor; davon abgesehen erschien er mir zu diesem Anlass nicht allzu passend, war die Botschaft doch einfach zu groß für den vorangegangenen Auftritt.

Man kann Torben anrechnen, dass er sich trotz weniger Bühnenerfahrung vor das zaubererprobte Wuppertaler Publikum gewagt hat. Leider brillierte er dort nicht. Die Ansätze zur besonderen Präsentation einfacher Kunststücke ist sicherlich nicht schlecht; was er dabei präsentierte hat noch Luft nach oben. Sowohl bei Verbesserung der Tricktechniken, bei der „Belebung“ seiner Puppen, als auch bei der Darstellung seiner eigenen Bühnenfigur, der etwas mehr „präsent sein“ sehr gut täte. Es bleibt abzuwarten, in welche Richtung, ob Comedy, Zauberei oder doch echtes Bauchreden, es den Dürener zukünftig verschlägt, und ob er damit das Publikum erreichen kann.

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Der zweite Künstler des Abends war Kalibo. Er war vor gut einem Jahr das letzte Mal im ZauberSalon Wuppertal zu Gast, damals mit seinem Soloprogramm, mit dem er schon dort das Pubilkum begeisterte – und anders war es auch an diesem Abend nicht.

Zusammen mit seinem „Zauberhut, der auf der Straße Menschen verschwinden lässt“ und einem jungen Zuschauer ver- und entknotete er auf magische Weise zwei weiße Tücher – zumindest bei den meisten Versuchen. Schon bei diesem ersten Kunststück zeigte sich die zeitweise beinahe ruppige, aber ebenso unterhaltsame Art des Zauberers. Gerade dieser Unterhaltungsfaktor war es, der es dem Publikum leichtmachte, seine derben Sprüche zu verzeihen, im Gegenteil, sie sogar als Anlass für die größten Lacher des Abends zu nehmen.

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Auch bei den folgenden Kunststücken, dem verschwinden lassen und allzu schrägen Wiederfinden einer Kartenecke und der restlichen Karte, und zwar mit allen möglichen Sinnen, und der Spielerei mit einem Zuschauer, dessen Sorge um seinen Geldschein und dem Pech hinter seiner Glückszahl, zog sich die selbstironische und ausgelassene Darbietung fort.

Nicht jedem würde man verzeihen, wenn er, natürlich zu tricktechnischen Zwecken, einen Zuschauer an einem Tuch über die Bühne zieht, oder er das Unterteil eines Zauberrequisits für seine feurige Darbietung zweckentfremdet. Doch diesem Zauberkünstler nimmt man weder das, noch sein Temperament oder seine Schwäche im Namensgedächtnis übel – schließlich war es seine Show! Zumindest in gewisser Weise, gelang es Kalibo doch extrem gut, seine Zuschauer voll für sich einzunehmen, sie regelrecht, teilweise sogar wortwörtlich, mitzureißen – eine Fähigkeit, die nicht zuletzt wohl seiner ausgiebigen Erfahrung als Straßenzauberer geschuldet ist. Als Meister der Publikumsinteraktion, der Aufsitzer und der Situationskomik bescherte er nicht nur dem Laienpublikum, sondern auch seine Kollegen im Zuschauerraum urkomische Momente. Insbesondere letztgenannte schätzen das offenbar sehr – das Feedback, das man nach der Show von allen Seiten vernahm, sprach für sich. Und über all das hinaus bietet der Saarbrückener seinen Zuschauern erstaunliche Effekte und erinnernswerte Kunststücke. Die größte Magie seines Auftritts aber sehe ich in der Begeisterung, die Kalibo in jedem einzelnen Moment auf der Bühne ins bärtige Gesicht geschrieben stand, und die so unweigerlich auf jeden einzelnen Zuschauer überzugehen schien, dass beide Seiten davon gegenseitig profitierten, und so gemeinsam für die vielen einzigartigen Augenblicke des Auftritts sorgten.

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www.kalibo.de

Holger Glang hat sich der Mentalmagie verschrieben und war an diesem Abend zum ersten Mal im ZauberSalon Wuppertal zu Gast. Er bildete einen ruhigen Kontrast insbesondere zu dem quirligen Kalibo.

Im Laufe seines Auftritts lud Holger das Publikum zu einer Reihe mentaler Experimente ein mit einer bunten Mischung aller möglichen Requisiten; einige davon bekannt, ein paar davon eher untypisch. Gemeinsam mit einigen Zuschauern ging er etwa der Frage auf den Grund, was die Lieblingsfarbe über die Persönlichkeit aussagt, oder ob die Astrologie wohlmöglich noch mehr über den Charakter eines Menschen preisgeben kann.

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Der wohl beeindruckendste seiner Effekte war es, die gemischten und frei unter zwei Zuschauern verteilten Karten eine nach dem anderen richtig zuzuordnen, nachdem er sich die Karten nur ein paar Sekunden lang angesehen hatte. Unabhängig, ob dahinter einen Trick oder einfach nur ein verdammt gutes Gedächtnis vermuten mag, war es eine wirklich verblüffende Nummer, welche zu recht die entsprechenden Publikumsreaktionen mit sich brachte.

Zuletzt nahm Holger alle seine Sinne zusammen, um Entscheidungen der beteiligten Zuschauer vorauszusehen und aus deren Köpfen zu lesen. Dabei ging er, auch wenn einer der Bühnengäste Holgers Ansage verneinte, sehr souverän vor, intensiv nachdenklich, um dann immer auf die richtige Entscheidung zu treffen – egal, ob es um eine Murmel oder eine Blume ging.

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Seine Aufregung war dem ihm zwar durchaus anzumerken, wurde von ihm aber, besonders in der zweiten Hälfte gut überspielt. Da war er dann irgendwie mehr auf der Bühne angekommen, und dort kam auch die Art seiner Präsentation voll zum Vorschein: Ein Mentalist, der seine Kunst durchaus ernst nimmt, seriös auftritt, aber immer mit einem auflockernden Spruch und in Interaktion mit seinem Publikum. Das einzige Manko war sicherlich, dass es Holger nicht immer gelang, die Zeit gut zu überbrücken, welche die akkurate Vorbereitung seiner Kunststücke teilweise erforderte. Dennoch präsentierte Holger auf angenehme, wirklich glaubwürdige Art wunderbare Effekte der Mentalzauberei.

www.facebook.com/MentalistHolgerGlang

Wir danken allen Zuschauern und vorallem den Künstlern, die mit uns in das neue ZauberSalon-Jahr gestartet sind. Wir hoffen, wir sehen viele von ihnen in den kommenden Monaten, immer am 3. Dienstag im Monat in der „börse“ in Wuppertal. Danke auch das Team der „börse“ für die Umsorgung unserer Gäste, an Jessie und Dag für das Fahren der Technik und Bernd und Gernot für das bildliche Festhalten des Abends.

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